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Das westliche Süd-Tirol / geologisch dargestellt von Richard Lepsius
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197
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Die Adamello - Gruppe.

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Ueberall begleitet uns derselbe grobkörnige Tonalit in gleichförmiger Ausbildung: bald mehrbald weniger Magnesiaglimmer oder Hornblende, welche sich beide häufig zu dunkelen Fleckenanhäufen. Selten durchsetzt ein Quarz-Gang das Gestein. Zerklüftet in grosse unregelmässigsäulenförmige Stücke steigt der Tonalit in öden, steilen Wänden bis zur Plateau-artigen Oberflächedes Stockes auf. An Wildheit und Grossartigkeit, an Schönheit der Durchblicke, an Höhe derWasserfälle kann sich kaum ein Alpenthal mit der Tonalit-Spalte der Yal di Genova messen.

Wenden wir unsre Schritte zurück in die Val Rendena. Jenseits der Ausmündung des Ge-novathaies erhebt sich der rundgeformte, breite Glimmerschiefer-Rücken des Bregn del Oro. Derunterste steile Abhang gegen Caresolo ist noch Gneiss. Darauf lagert sich der äusserst glimmer-reiche dünnschiefrige Glimmerschiefer; Quarz-Lagen, -Nieren und -Adern durchziehen massenhaftdas Gestein. Wie gesagt, ist der Bregn del Oro von dem nördlich liegenden Ritorto-Plateau nichtdurch Verwerfung geschieden; sondern hier hat sich der aus dem Kesselthal ausbrechende Nambin-Bach eine eigene Strasse durch den weichen Glimmerschiefer durchgefressen. Gegen die eckigen,starren Umrisse des Tonalit-Stockes sticht der sanftabfallende Rücken des Bregn del Oro auffallendab: das leicht zerstörbare Gestein vermag keine Klippen der Denudation entgegenzuthürmen. Hochhinauf sind die Abhänge dieses Vorberges mit Gletscherschutt bedeckt, überschüttet mit Tonalit-Blöcken: hier gegenüber der Genova-Ausmündung staute sich vor allem der vom Eise herab-getragene Moränenschutt auf; gleich einer Barre lenkte der Bregn del Oro die Wogen des Genova-Gletschers von ihrem Ostlaufe ab und zwang sie, sich südlich in die Rendena-Spalte zu wenden.Daher noch mehr die dahinter liegenden Thäler der Umgebung von Campiglio gleichsam als einestille Bucht zwischen den beiden Hauptgletschern anzusehen sind, in welcher sich die Schuttmassenruhig ablagern konnten: diesseits schob sich der Sarca-Gletscher von den Firnfeldern des Ada-mello herab, jenseits erfüllte der noch gewaltigere Nos-Gletscher die Val di Sole . Der Bregn delOro ist fast 6000' hoch; bis zu einer Höhe von etwa 4500' sind seine Abhänge mit Gletscherschuttund Tonalit-Blöcken überdeckt.

Die Verwerfung auf der Südseite des Bregn del Oro gegen den Quarzporphyr und Bunt-Sandstein ist grösstentheils unter mächtigen Diluvial-Schottern versteckt. Der bei Giustino aus-mündende Bach hat den Schutt fortgerissen und braust herab über Quarzporphyr und Quarzit-tuffe , welche sich hoch gegen den Monte Moflina hinaufziehen. Zunächst an der Verwerfung siehtman in den Wasserrissen den Glimmerschiefer gelegentlich mit 2030° in N vom Quarzporphyrabfallen, obschon sein Fallen im allgemeinen vom Tonalit-Stock ab mit 1535° in Ost ge-richtet ist.

Von Pinzolo an nach Süden ist der Gneiss auf der Grenze zwischen Tonalit und Glimmer-schiefer völlig verschwunden. Auch der Glimmerschiefer ist nächst Giustino in der Verwerfungfast gänzlich reducirt, da östlich der Quarzporphyr, westlich der Tonalit unmittelbar aus demThalboden aufsteigt. Die breiten, flachen Abhänge der Dalmatsch-Spitz gegen Süd-Ost geben sichsogleich als Glimmerschiefer-Massen zu erkennen; erst dahinter erheben sich die schroffen, ödenTonalit-Kämme.

Die von den Firnfeldern des Monte Care herabquellenden Bäche durchlaufen in der Val di