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Y. Specielle Geologie.
Borzago und der Val di San Valentino zwei sehr analog gebildete Thäler: beide frei von Thal-stufen wenig ansteigend, breit ausgewaschen im weichen Material, mit Wiesengründen, gelegentlichmit Sümpfen bedeckt, entströmen einem wilden, schroff und klippenreich abstürzenden Quell-Kesseloder Amphitheater des Tonalites und münden aus durch eine enge Schlucht mit Katarakten in dasHauptthal.
Dringen wir oberhalb Villa in die Val di San Valentino ein: gleich hinter den letzten Häu-sern des Dorfes stehen wir vor dem Bachausbruch; aber nicht einen breiten Thalausgang mitflachen Gehängen und tiefer Thalsohle haben wir vor uns, sondern eine enge Schlucht, durch welcheder starke Bach in brausenden Cascaden sich mühsam einen Ausweg sucht. Tiefer empfängt unsein 80' hoher gewaltiger Wasserfall. Der Glimmerschiefer rings ist in unregelmässige, mächtigeBlöcke zerklüftet; er erscheint so gefaltet und zerquetscht, dass sein Fallen im einzelnen sehr ver-änderlich, im allgemeinen 35—40° in SO ist. Das glimmerreiche Gestein ist von ausserordent-lich zahlreichen Quarz-Lagen, -Schnüren, -Adern und -Lagern durchsetzt, eine Beobachtung, welcheman stets in den Glimmerschiefern der Adamello -Gruppe macht; dieser Quarz-Reichthum des Glim-merschiefers erklärt wohl die massenhaften Quarz-Gerölle in den jüngeren Formationen, besondersin den Conglomeraten des Rothliegenden.
Hat man die Höhe dieser Mündungsstufe gewonnen, so sieht man erst das weite, flache,wenig ansteigende Thal vor sich.
Die Ursache des Umstandes, dass sowohl dieses Thal als die Val di Borzago — ganz ab-gesehen von dem Tonalit-Thal Genova — an ihren Mündungen noch nicht soweit ausgehöhlt sind,als in ihrem Thallauf, sondern mit enger Schlucht und hoher Thalstufe endigen, ist wohl folgender-massen zu erklären: die Vertiefung des mit Gletscherschutt ausgefüllten Hauptthaies, der ValRendena schreitet schneller fort, als diejenige der Nebenthäler, welche in festem Gestein einge-schnitten sind. Dass die Diluvial-Schotter früher der Val Rendena einen höheren Thalboden gaben,sieht man an den hohen Diluvial-Terrassen, welche jenseits zwischen Bocenago und Pinzolo, dies-seits rings Verdesina am besten erhalten sind. Die weit ausgebreitete Terrasse, auf welcher Ver-desina liegt, erweist durch ihre horizontale Schotterung und die Horizontalität ihrer Oberflächebesonders schön die ursprüngliche Höhe des Thalbodens der Val Rendena. Noch ausgedehnterealte Diluvial-Terrassen werden wir bei Tione , am Ausgang der Val Rendena, kennen lernen. DieSarca strömt jetzt 150—200' tiefer als die Höhe der Terrasse von Verdesina.
Das Valentino-Thal liegt fast ganz im Glimmerschiefer. Das Gestein ist ziemlich gleich-förmig: der Glimmer herrscht vor, meist Kaliglimmer; er ist sehr dünnschiefrig, von Quarz-Schnürenund -Gängen durchsetzt. Gelegentlich tritt der Glimmer gegen die Quarzkörner mehr zurück, unddas Gestein nimmt dann einen Gneiss-artigen Habitus an; aber der fehlende Feldspath lässt essogleich als Glimmerschiefer erkennen. Besonders gegen den Tonalit hin trifft man solche quarz-reichen Schichten. Nahe der Tonalit - Grenze fand ich Bruchstücke eines glimmerreichen dünn-schichtigen Glimmerschiefers, ganz durchwachsen von zahlreichen Staurolithen, bis zollgrossen, säulen-förmigen Krystallen, deren Längsaxe parallel der Schichtfläche des Schiefers liegt. Ob dieseStaurolithe als Producte einer Contact-Metamorphose, oder als ursprünglicher Bestandtheil des