58
DIE BILDNISSE DER STIFTER.
aus. Der aus dickem Stoff gewebte Rock wird über denHüften durch einen Ledergürtel festgehalten, von welchemeine'schwarze Geldtasche herabhängt. Der wackere Jodocusgehörte schwerlich einer strengen Büsserkaste an; der dickeMund, die stattliche Rundung des Leibes strafen uns nichtLügen, wenn wir ihn Tafelfreuden nicht abhold vermuthen.Die kleinen grauen Augen schwimmen in einem trübenMedium, die Nase ist mehr dick als lang, der Mund ent-schieden gross mit aufgeworfener sinnlicher Unterlippe, dieWangen breit und überhängend mit dem fetten Kinn zueiner Masse verschmolzen, so dass der kurze, runzelige Halskaum sichtbar wird. Drei Warzen, die eine an der Unter-lippe, die andere auf der Nase, die dritte am Yorderkopfelenken immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich zurück;das Haar ist kurz verschnitten, so dass das linke Ohr ganz freiwird, die Augenbrauen sind fast kahl, dagegen zeigt der Bartziemlich lange Stoppeln. Haltung und Ausdruck sind dieeines wahrhaft frommen Mannes. Kaum bedarf es des Blickesauf die gefalteten, Finger an Finger gepressten — übrigensvortrefflich gezeichneten Hände, um zu erkennen, wie feurigseine Andacht ist und wie ernst er mit emporgehobenenAugen die Verzeihung vom Himmel erfleht. Doch ist erkein alter Sünder, wenn auch alt genug, dass das Haarschon grau sich färbt, die Stirn bei dem Emporziehen derAugenbrauen Runzeln zeigt, und die Haut der Hände zu-sammengeschrum^ft, wie etwa bei einem Sechzigjährigen,erscheint.
Isabella Burluut, des Jodocus Gattin, knieet zurSeite des Evangelisten Johannes (Feld d), zu dem sie denBlick wendet, gleichsam als genüge ihr schon der Schutzdieses mildthätigen Heiligen, während Jodocus unmittelbarden Himmel anfleht. Aus ihrem Gesichte spricht die festeWahrhaftigkeit; ihr Auge ist klar, ruhig, kalt und grau,der Mund verräth entschlossenes und stramm ehrbaresWesen, der gut proportionirte Kopf sitzt auf einem etwas