SCHILDERUNG DER BILDNISSE.
59
dünnen Halse, die Wangen treten ziemlich stark vor, dieNase ist breit, die Augenbrauen spärlich. Die Farbe derHaare kann man schwer bestimmen, da sie sorgfältig untereine Binde zurüekgekämmt sind, deren dunkler Umrissdurch einen zarten Schleier durchscheint. Flach auf dasVorderhaupt gelegt, wird der Schleier zu beiden Seiten faltiggebrochen, so dass er in Zipfeln bis an die Ohren herablangt,Darüber ist noch ein weisses, den Kopf und die Schulternbedeckendes Tuch befestigt. Frau Isabella trägt ein pfirsich-farbenes Kleid, dessen hellgrünes Futter an den Handge-lenken und auf der Brust umgeschlagen ist; die Hände sindschmal, doch keineswegs durch Zartheit und elegante Haltungausgezeichnet.
Wir haben in diesen beiden Bildnissen vortrefflicheTypen des gediegenen flandrischen Bürgerthums vor uns.Kein Schmuck hebt die Gestalten. Gesicht und Hände be-kunden, dass sie die Arbeit nicht gescheut, von Verweich-lichung und vornehmen Nichtsthun sich fern gehalten haben.Sie wären auch vollendete Kunstwerke, wenn nicht einegewisse Eckigkeit des Faltenwurfes, hier und dort plötzlicheUebergange vom Licht zum Schatten und der röthlicheGesammtton in den Schatten der Carnation störend wirkte.Jedenfalls hat die altniederländische Schule keine lebens-volleren Portraits geschaffen; überdiess sind sie so feinmodellirt und so fleissig ausgeführt, dass sie auch die ge-naueste Untersuchung ertragen.
In einen ganz anderen Kreis versetzt uns die obereHälfte des Aussenschrein.es, welche die' Verkündigungschildert. Die Scene spielt in einer langgestreckten Halle,deren Boden mit quadratischen Fliesen belegt ist, an derenDecke Holzbalken sich entlang ziehen. Ein gekuppeltesFenster in der Mitte gewährt einen Blick in das Freie, aufeine Strasse, die noch heute in Gent wiedererkannt wird . 1
1 Die Ansicht scheint nach der Natur aufgenommen zu sein. Im