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VEEIIÄLTNISS DER BRÜDER ZU EINANDER.
Von der technischen Prüfung zur historischen Würdigungwieder zurückgehend, müssen wir zunächst die merkwürdigeThatsache erwähnen, dass kein Theil des Altarschreinesauf tastende, unsichere Versuche, um der neuen Mälweise
der Königin von England zu Ver-einen als Dank für den Scliutz,welchen sie den Glaubensgenossengewährte. Die Einsprache einesNachkommens des Stifters, JosseTriest, rettete das Werk für dieStadt Gent . Eine Zeit laug wurdees anf dem Ratlihause bewahrt, am17. Spt. 1584 unter der Aufsicht vonFrangois Hoorebant nach St. Bavonzurückgebracht. (Ruelens Annota-tions p. LXXIV.) Im Jahre 1663erlitt es eine neue Restauration durchAntoine van der Heuvel. Es wirdnun weiter erzählt, Kaiser Joseph II. habe bei einem Besuche Gents (1781)über die nackten Gestalten Adamsund Evas gespottet und so die Ver-anlassung zu ihrer Entfernung ge-geben. Die Anecdote, erst von leBast (Messager de Sciences 1825)publieirt, besitzt keine Beglaubigung,erklärt nicht die Lostrennung allerFlügel von den Mitteltafeln. Unddas war doch der Zustand des Altars1794. Die letzteren wurden in diesemJalire nach Paris gebracht, die Flügelblieben versteckt. Nach der Rück-gabe der geraubten Bilder an dierechtmässigen Besitzer 1815 wurdendie Mitteltafeln wieder in S. Bavonaufgestellt, - merkwürdiger Weisedie Flügel mit jenen nicht ver-bunden , vielmehr für 3000 Guldenan den Kunsthändler Nieuwenhuysverkauft, von diesemfür 100000 Francsan den englischen KunstliebhaberSolly, dessen Sammlung bekanntlichin den Besitz des Königs von Preussenüberging. Die beiden Tafeln mitAdam und Eva blieben in Gent nochlange versteckt; wurden erst 1861der belgischen Regierung für dasBrüsseler Museum überliefert alsTausch gegen Coxie’s Copie der Flügel.
Die Handzeichnungen zu Adamund Eva kefinden sich in der Louvre-sammlung. Adam ist ein kleines
Facsimile des Bildes, Eva weichtetwas von dem letzteren ab, iln'Kopf ist mein im Profil, ihr Körpernoch mein- die treue Reproductioneines hässlichen Modells. Auf derRückseite dieses Blattes ist ein Mannan einem Pulte schreibend dargestellt,überdies mehrere Frauenköpfe undFiguren nach der Natur gezeichnet.Die Entdeckungen dieser beidenHandzeichnungen ist ein Verdienstdes Conservators der Louvresamm-lung, des Herrn Reiset.
Unter den Copien nach demGenter Altar stellt die von MichelCoxie obenan. Sie ist, obschon fürPhilipp gemalt, nicht nach Spanien gekommen, sondern in den Nieder-landen (wo?) geblieben. Gegenwärtigist diese Copie an drei Orte vertheilt.Das Berliner Museum (Nr. 524, 525)besitzt die Figur Christi und dieMitteltafel mit der Anbetung desLammes, die Münchener Pinakothek(Nr. 55, 61) die Bilder Marias undJohannes, die Kirche S. Bavon inGent endlich die Flügel. Eine vielschlechtere Copie der inneren Tafel,wahrscheinlich aus dem Ende des17. Jahrhunderts, befindet sich (Nr.413) im Antwerpener Museum. Sieist durch Schenkung 1865 dahin ge-kommen, war früher in England,noch früher im Stadthause von Gent .Von der prachtvollen Farbe desOriginals ist hier keine Spur sicht-bar. Auf den Namen Martin Schön,siiäter Quentin Massys wurde inMadrid (Museo del Prado 'Nr. 427,Holz. 1. 22 h. 1. 34 br.) ein Bildgetauft, welches unter drei ingothischem Stil verzierten Bogendie Halbfiguren Gottes, Marias undJohannes zeigt. Es ist eine freieCopie der betreffenden Theile inGent und wird von Lücke (Zalm’sJahrbücher V. 224) auf Michel Coxie zurückgeführt.