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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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VEBGrLEIOHUNG MIT HÜBEST.

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und klare Anschauungen gewähren. Sobald aber die Tafelsich bedeutend vergrössert, .sein Auge weitere Räume zuumspannen gezwungen wird, erweisen sich sein Urtlieil undsein natürlicher Sinn für Farbe und Perspective der Luft,seine Kenntnisse der Proportionen unzureichend. Er istunfähig, den tiefen Eindruck wieder zu wecken, welchendie Anbetung des Lammes hervorruft. Denn auch dasandere wird zu unserer Ueberzeugung, wenn wir die chrono-logische Reihe seiner Werke, von der Madonna von InceHall angefangen, überblicken, dass Jan van Eyck seinenHöhepunkt erreicht hatte, als er das Genter Altarwerk zum Abschluss brachte. Er hat in späteren Bildern dieFeinheit und Sauberkeit der Technik, die Kleinkünste derMalerei zur grössten Vollkommenheit ausgebildet; er hatniemals die Tiefe des ursprünglichen Gedankens, die Kraftdes Ausdruckes, das reiche Feuer der Farbe, die keckeFrische des Auftrages übertroffen, höchstens sich denselbengenähert, welche an der Genter Tafel unsere Bewunderungerregen. Das ist ja mit ein Hauptgrund für die Annahme,dass Hubert van Eyck den jüngeren Bruder in den meistenEigenschaften, welche den Anspruch auf Meisterschaft geben,überragte, dass Jan nach 1432 nie wieder den kraftvollenErnst und die tiefe Empfindung für die Würde kirchlicherKunst zeigte, welche in dem Genter Bilde offenbar ist.Nur zu oft vergass er über der glatten und zierlich feinenAusführung die Lichter und Schatten zusammenzuhalten undabzuwägen, oder er unterlag der Versuchung den kräftigen,warmröthlichen Ton gegen eine zarte, übertriebene Blässezu vertauschen. An die Stelle einfacher Draperie und breiterContouren, welche wir an den Hauptpersonen des GenterBildes bemerken, treten oft harte Umrisse und scharfeFaltenbrüche. In der Darstellung des Nackten machteJan keine Fortschritte, noch war er fähig, Typen zu er-fassen, welche durch ihre Würde, ihre ideale Grösse er-greifend wirken. In zwei Dingen jedoch zeigt er sich wahr-