Buch 
Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
Entstehung
Seite
105
JPEG-Download
 

MAD. IN DRESDEN .

105

Mit diesem Bilde ganz nahe verwandt, wenn auch nichtdem Inhalte nach, so doch durch die kleinen Dimensionenund die Sicherheit der Ausführung ist die Madonna in derDresdener Galerie. Die Jungfrau thront in überaus an-muthiger Stellung auf einem goldenen Stuhle, vor sich dasnackte Christkind haltend, welches in ihren Armen unruhigsich bewegt und in der Hechten ein Spruchband weist.Ihr blondes Haar ist hinter die Ohren zurückgestrichen undvon einer Perlenschnur umwunden; in dem milden Antlitze,in den Augen voll Zufriedenheit, in dem stilllächelndenMunde spricht sich die mütterliche Freude aus. Das dunkel-blaue, mit Juwelen reich garnirte Kleid lässt den zartgerundeten, fein modellirten Hals frei; auch die weitenAermel und der mächtige rotlie Mantel sind mit Gold-stickerei und Perlen reich gesäumt. Das Christkind, dasauf einem weissen Tuche sitzt, hat das lächelnde Gesichtund das leicht gekrauste Haar wie auf dem Bilde derMadonna von Ince Hall; die Fleischfalten und etwas plumpenGlieder erinnern an die gleiche Gestalt in Burleigli-house.Die Hände der Madonna sind zierlich und mit langenFingern versehen, ihre, durch die Falten des Mantels ver-deckten Füsse ruhen auf einem erhöhten Schemel, der miteinem bunten türkischen Teppiche bedeckt ist. Zum Theilebreitet sich der Teppich auch über den eingelegten Fuss-hoden aus. Ein prunkvoller Thronhimmel in Schwarz undGrün ist durch Stricke an der Wand des Chores befestigt,in welchem der Thron aufgerichtet steht. Halbtöne herrschenin der Architektur vor, und lassen die Madonna sich vom

wissen nur von einem EyckschenWerke in Ypern , für die AbteiS. Martin gemalt, zu erzählen, voneinem grossen Triptychon, auf dessenMitteltafel der Abt van Maolbekevor der Madonna knieend dargestelltist. Er hat keine weisse Kutte an,sondern eine Stola und einen ge-stickten an den Rändern mit denApostelbildern geschmückten Mantel,

auch wird er nicht von der li. Barbarageleitet. Die Elügel aber enthaltenvier biblische Scenen. Weder dieGrosse noch der Inhalt des Bildesvon Burleigh-house stimmt mit demfür Ypern geschaffenen Gemälde über-ein. Die Tradition (von welchemAlter?) welche die Identität be-hauptet, ist demnach unbegründet.Vgl. Vaernewyck p. 133.

Drosden

Madonna.