Buch 
Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
Entstehung
Seite
144
JPEG-Download
 

144

TECHNISCHES VEEFAHEEN.

in Brügge Bei, 1 In den städtischen Rechnungen 1463 und1467 wird erwähnt, dass er den Baum Jesse für die zuEhren des heiligen Blutes veranstaltete Jahresprocession ge-arbeitet und dann wieder hergestellt habe. 2 Im J. 1469gehört Cristus zu den „Notabeln“ der Gilde und 1471finden wir ihn als einen der Unterdechanten unter denSchiedsrichtern, welche in der gegen Pierre Coustain unddessen Gehilfen Jehan Hervey erhobenen Klage, dass siedie Malerei ausüben ohne die Zunftgebühren entrichtet zuhaben, aburtheilen sollten. Es stellte sich heraus, dassCoustain ein Diener des Herzogs von Burgund war, und. derGerichtshof entschied demgemäss, dass er aus diesem Grundevon allen Zahlungen an die Zunft und allen Beschränkungenbefreit sei. 3

Durch Petrus Cristus ist die Entwickelung der flan-drischen Kunst keineswegs auf eine höhere Stufe gebrachtworden. Unzugänglich dem einfach grossartigen Stile Hubert’s.stand er auch hinter Jan van Eyck als Zeichner und Coloristweit zurück; er bewährte sich allein als vortrefflicher Por-traitmaler. Seine Altarbilder sind fleissig und in ehrlicherBemühung zusammengestellt, doch nicht ganz frei vonphantastischen Seltsamkeiten wie sie später bei HieronymusBosch so abstossend wirken. Besonders störend erscheintbei Cristus das gemeine Aussehen der Haupthelden seinerBilder, ihre plumpen Formen, ihre auffallenden Missverhält-nisse. Eine hölzerne Puppe vertritt das Christkind, rund-köpfige, vollwangige Dirnen mit zurückgekämmtem über dieSchultern herabfallenden reichen Haare stellen die Jung-frau Maria vor. Harte Umrisse, überladener Faltenwurfcharakterisiren seine Zeichnung, tiefe bräunliche Fleischtönesein Colorit, welches letztere gegen das hellgraue van derWeydens besonders absticht. Dass er abwechselnd vlämische

1 Beffroi I. 237 .

- Ebenda.

3 Beffroi I. 205 .