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Geisselung und dem Kreuze, den nackten Körper theilweisein einen langen rotlien Mantel gehüllt, die Hände mit denWundmalen emporhebend. Kein Zweifel, dass der Künstlermit Vorbedacht diese Stellung gewählt hat. Sie sprichteine herbe Anklage aus gegen die Verhärteten, die denGottessohn leiden Hessen und rechtfertigt den Ruf zum Ge-richte, welchen vier Engel auf ihren Posaunen in Christi Näheertönen lassen. Zwei Gruppen von Heiligen stehen unterChristus, die weiblichen angeführt von Maria, die männ-lichen von dem Täufer geleitet. Ganz vorn aber zur Rechtenund Linken sitzen auf zwei Ränken in den Lüften die zwölfApostel, tlieilweise als Mönche gekleidet. Auf einer grünenWiese, die nach dem Horizonte zu vom Meere und vonHügeln begrenzt wird, steigen die Todten aus ihren Gräbern,einzelne Widerwillige werden von Teufeln aus ihren Ruhe-stätten gezerrt. Der Erzengel Michael durch seine Grössehervorragend, in dunkler Rüstung hat den Satan bezwungen;mit dem rechten Eusse tritt er auf den Kopf eines Gerippes,dessen Knochenarme den quer über den Vordergrund sich hin-ziehenden Höllenrachen umspannen. Aus der Tiefe der Hölleströmt von Teufeln genährtes Feuer und ergiesst sich über dieSeelen der Verdammten. In den einzelnen Köpfen der Heiligenentdeckt man keinen erhabenen oder ernst ruhigen Zug.Christus ist in starkem Staunen begriffen, ausdruckslos er-scheinen die Heiligen und Apostel. Auch der Erzengel ent-geht dem Vorwurf der Hässlichkeit nicht mit seiner breitenStirn, langen Nase und schweren Augenlidern. Die Madonnaund die weiblichen Heiligen haben die runden Köpfe derkölnischen Schule, und mit geringer Kunst geworfene Ge-wänder. Mit einem Worte: die Tafel enthüllt die Schwächedes Meisters in Composition, Ausdruck und Zeichnung undzeigt ihn überdies in dem überlieferten biblischen Gedanken-kreise schlecht bewandert. Die Farbe ist unangenehm undroh, die Umrisse besonders hart und dunkel, ein dumpfessonnenloses Zwielicht über die ganze Fläche ausgegossen.