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DAS PORTINABIBILD
Wohlfeilheit boten. Diese Leinwandbilder wurden in Tem-perafarben ausgeführt. Sie entbehrten auf diese Art destieferen Farbenreizes, waren vorzugsweise auf schöne An-ordnung, reiche Gruppen, lebendige Zeichnung angewiesen,näherten sich dadurch in ihrer Wirkung der Frescomalerei,Wicht allein, dass dieselben dem Künstler Lebensunterhaltund Ruf brachten, gewannen sie auch eine so grosse Be-liebtheit, dass nach van Mander’s Bericht in Brügge wiein Gent die Wände der Kirchen und Häuser mit ihnenprangten . 1 Hugo van der Goes , ta das Entwerfen aus-gedehnter Compositionen gewöhnt, arbeitete auch Cartonsfür die Glasmaler . 2 Dabei blieb ihm die Oelmalerei nichtfremd, Bestellungen auf Altartafeln kamen vielmehr auchhäufig vor. In welchem Jahre Tommaso Portinari ihm denAuftrag zu dem Triptychon gab, in welchem er sich selbst,seine Frau und seine Kinder abbilden liess, wissen wir nicht.Es ist noch gegenwärtig auf seiner ursprünglichen Stelle,im Hospital St. Maria nuova in Florenz aufbewahrt, über-ragt an Umfang alle Werke, welche um die Mitte desfünfzehnten Jahrhunderts in Flandern geschaffen wurden, undliefert uns, da Vasari und Guicciardini Hugo als den Malernennen, den besten, zugleich den einzigen Schlüssel, umseinen Stil zu erkennen . 3
a Im Mittelbilde wird die Anbetung der Hirten geschildert.Das Christkind hager und mager liegt auf dem Boden, aufeiner Schütte Stroh. Von den Lichtstrahlen, die es um-fliessen, wird auch die knieende Madonna beleuchtet. ZweiEngel sind links vom Kinde im Vordergründe angebracht,fünf andere, aus dem Bilde herausblickend auf der Gegen-seite, zwei knieen noch hinter der Madonna, andere schwebenin der Luft. Der heilige Josephus ganz zur Linken er-scheint in andächtige Betrachtung versunken; in lebhafter
1 Van Mander und Vaernmyck.
2 Ebendort.
3 Vasari I. 163.