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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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DAS BILD IM PARISER PARLAMENTE.

konnte. Dass das Bild aber nicht etwa in Flandern gemaltund fertig nach Paris gesendet worden war, sondern inParis selbst gearbeitet wurde, erhellt aus dem Hintergrunddesselben, der eine treue Ansicht der Seineufer zwischender Tour de Nesle und der Tour du Louvre enthält. Esist offenbar vom Parlamente für den Gerichtssaal unmittel-bar bestellt und bestimmt gewesen und sollte durch seinenInhalt an den hohen Ernst der Verhandlungen mahnen.Christus am Kreuze nimmt die Mitte der Tafel ein, amFusse des Kreuzes, an welchem ein Todtenkopf und zweigekreuzte Todtenbeine befestigt sind, und in dessen Näheein Hund sich herumtreibt, steht Maria mit Johannes undden klagenden Frauen. Der h. Dionys, Karl d. Grosse, Lud-wig der Heilige (der Pariser Schutzpatron und die Gesetz-geber der Franken und Franzosen) und Johannes der Täufer reihen sich zu beiden Seiten an. Keine Urkunde nenntden Namen des Meisters. Doch kann darüber kein Zweifelherrschen, dass diese Tafel, welche vor einem Jahrzehntemit einem röthliclien Firniss überzogen war, mit dem Al-tarbilde in St. Maria nuova in Florenz manche Züge ge-mein hat. Gewiss ist, dass ihr Meister sich mit der male-rischen Technik, wie sie in der Mitte des fünfzehnten Jahr-hunderts in Flandern ausgeübt wurde, vollkommen vertrautzeigt. Auffallend ist nur die Fülle des ornamentalen Bei-werkes und der gänzliche Mangel tiefer Schatten. DieGestalt des Täufers, fein entworfen und kräftig ausgeführt,verdient besondere Aufmerksamkeit . 1

Die späteren Jahre —■ vielleicht nach beendigtem Auf-stande und wieder erstarktem Frieden — scheint Hugo vander Goes in Gent verlebt zu haben. Seine vielseitigeTliätigkeit setzt er hier fort, er entwirft bald historischeCompositionen auf grossen Leinwänden, malt bald mit allerSorgfalt kleine Altartafeln oder zeichnet für die Glasmaler

' Paris , Cour rl’Appel. Holz. 3.30 h. — 2.28 br.