SIEBENTES OAPITEL.
Justus oder Jodocus von Gent.
Von Jodocus oder Justus von Gent sprechen be-reits alte Aufzeichnungen, nur dass leider gerade diejenigenBerichte, welche Genaueres über ihn bringen, ihn für einenSchüler des Hubert van Eyck ausgeben, nicht als authentischgelten können. 1 So bleibt bloss die nackte Thatsache seinerExistenz übrig. Wollen wir unsere Kenntniss auch aufseine künstlerische Wirksamkeit ausdehnen, so müssen wirzunächst die Frage lösen, ob um die Mitte des fünfzehntenJahrhunderts Justus die Heimat verliess und nach Italien übersiedelte? Denn hier allein, in Italien ist der NamenJustus mit noch erhaltenen Gemälden verknüpft.
Im Jahre 1451 lebte und arbeitete ein Justus d’Alla-
S. Maria di
magna in dem Dominicanerkloster S. Maria di Castello C v*'j n °in Genua und malte an die Wand des Kreuzganges in kimdig " nK 'lebensgrossen Figuren die Verkündigung. Ist nun dieserJustus d’Allamagna derselbe Künstler, der auch in Gent thätig war, oder haben wir uns unter ihm einen in Genua
1 In der 'anrüchigen Beke’schenHandschrift (s. oben) lieisst es: EnJodocus van Gent, discipel vanHubertus van Eyck , een tafereel ver-beeldende St. Jans. Onthoofdinge.“Es scheint die Schülerbezeichnungauf einer Verwechslung mit Gerard
v. d. Meire zu beruhen, der in dem eben-so anrüchigen Delbecqschen Manuscr.in gleicher Weise charakterisirt wird.Vgl. Vasari I. p. 163 und Sanderus(de Gand, erud. clar. I. II. fol. 79):Jodocus Gandavensis, pict. nobüissi-mus, Huberti Eyck discipulus.