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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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LEBENSVEBHÄLTNISSE.

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Folgende Thatsachen dürfen nun als authentisch be-trachtet werden. Eoger van der Weyden ist in Tournai geboren und erzogen worden; den Unterricht in seiner Kunstempfing er seit 1426 von einem sonst unbekannten Local-maler Robert Campin . 1 Der Freispruch in der Zunft er-folgte 1432. 2 Er muss rasch zu nicht gewöhnlichem An-sehen emporgestiegen sein, da er bereits 1436 als Stadt-maler in Brüssel angestellt wurde.

Lassen wir uns von dem Gesammteindruck leiten, welchendie Werke van der Weyden’s in uns wecken, so entdecken

van Eycks. Nachdem Vasari (I. 163und IV. 76) diesen Irrtlium wieder-holt, lenkte Guicciardini wieder indie richtigere Balm ein. Er erzählt,dass Boger van der Weyden vonBrüssel den Bulnn der Brüder Eyckgeerbt hat. Biesen Passus nahm nunVasari in die zweite Ausgabe seiner„vita “ (XIII, 148) auf, ohne an denfrüheren Notizen etwas zu ändern.Karl van Mander , welcher die bio-graphischen Baten Vasari’s kurzwegabschrieb, wurde dadurch verleitet,die Person Boger’s zu verdoppeln,neben dem lioger von Brüssel nocheinen Boger van der Weyden vonBrüssel anzunehmen. Bie Verwirrungmehrte sich, als man aus Molanus(eitirt von Buelens, Notes et add.CXXXI) eAihr, Boger, „civis etpictor Lovaniensis“ habe mehrereBilder in Löwen gemalt. Sie stiegauf das höchste, als endlich bekanntwurde, Boger van der Weyden seiidentisch mit Bogelet de la l’astureund in Tournai in die Zunft einge-schrieben worden und liier auch 1432freigesprochen. Vier Städte: Brügge ,Brüssel, Löw r en und Tournai .wurden nun gegeneinander in dasFeld geführt, mindestens die Ver-doppelung des Mannes für noth-wendig erachtet, um der Anarchieder Baten zu steuern. Baher stammtdie Bezeichnung Boger d. ältere, undB. der jüngere in so vielen kunst-historischen Schriften. Pinchart zoguns aus allen Schwierigkeiten und

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scheinbar unlösbaren Widersprüchen,indem er nachwies, dass der Bogervon Brügge , den andere auch Bogervon Brüssel nennen, kein anderersei, als der Boger de la Pastureoder Boger van der Weyden, der inTournai seine Bildung gewann, dannnach Brüssel übersiedelte und hierstarb. Eiir ihn wurden in TournaiSeelenmessen angeordnet und schondas Citat der Messstiftung aus demCommunalarchiv von Tournai „ Comp-tes amiuels du metier des paintreset verriers anno 1463 — 64“ genügt,um die Verwirrung grösstentheils zulösen. Es heisst daselbst: „Itempayet pour les chandelles qui furentmises devant St. Luc, h cause duService maistre Bogier de la Pasture,natyf de eheste ville de Tournai, lequel domoroit ä Brouselles, pour ce:iiij gros y 2 .“

1 „Bougelet de la Pasture, natifde Tournai, commencha son appresurele einquiesme jour de mars l’an milcccc vingt six, et fn son maistreBobert Campin paintre, le quelBogelet a parfaict son appresuredeuement avec sondict maistre.“ Ausdem Begister der St. Lucasgilde inTournai publicirt von Genard, Luistervan S. Lucasgilde. Antwerpen 1856.p. 27.

2 „Maistre Bogier de la Pasture,natif de Tournai, fut rcceu ä lafranchise du mestier des paintres lePremier jour d’aout 1432.“ Ebend,