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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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KUNSTRICHTUNG.

wir, dass er in einem ganz anderen Kreise religiöserEmpfindungen, als die Brüder Eyck, lebte und webte.Während Hubert und Jan yan Eyck den Glanz der trium- 1pliirenden Kirche mit reichen Farben schildern, oder diestillen Freuden der Jungfrau gemüthlich ausmalen, bei demLächeln des Christkindes, bei der heiteren Buhe der Heiligenmit Vorliebe verweilen, wird die Phantasie Roger’s mehrvon den pathetischen und tragischen Scenen der Bibel an-gezogen und ergeht sich in der ergreifenden Wiedergabe derSchmerzen und Leiden Christi und der Märtyrer.

Ueppige Farbenschönheit übte auf sein Künstlergemüthnur geringen Reiz. Gewiss berührte ihn das Schwebenund Schwingen harmonischer Farbentöne angenehm undwar er nicht ohne Verständniss der technischen Vortheile,welche sich aus Farbencontrasten entwickeln lassen. ImGanzen aber zeigte er nur eine geringe Empfänglichkeitfür eine reiche Farbenscala oder für die Gluth warm be-leuchteter Scenen. Die Bilder der Brüder Eyck, falls sieihm unter die Augen kamen, erschienen ihm als ungewöhn-liche Schöpfungen, die man bewundern muss, aber kaum nach-ahmen kann. Möchte man doch schier zweifeln, ob er je-mäls zu anderen Zeiten in die Sonne blickte, als in derfrühesten Morgenstunde. Die Beleuchtung, die sich aufseinen Gemälden meistens wiederholt, ist dem Sonnenaufgängeund den vorangehenden Augenblicken desselben entnommen.Das scharfe, kühle Licht dringt unbarmherzig bis in dietiefsten Winkel des Gemaches, erhellt gleichmässig die ruhigeStrömung des Flusses, die Felsen am Ufer, die Tliürme anden Abhängen der Hügel, die fernen schneebedeckten Bergeam Horizonte. Während er die mächtigen Gegensätze desHelldunkels, und alles was auf wirkungsvolle malerischeTäuschung lossteuert, verschmäht, wendet er die grössteSorgfalt auf die genaueste Wiedergabe selbst des Kleinsten,so dass seine Bilder die Besichtigung auch aus der engstenNähe wohl ertragen können. Dieser Vollendung des Ein-