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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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VOTIYALTAR BEI

Wangen , ein so starres Auge, dass es den Eindruck derWildheit macht, eine dicke Unterlippe mit herabhängendemWinkel gegeben hat; auch die Schatten dieses abstossendenTypus göttlicher Würde besitzen einen niederdrückendendunkeln und trüben Ton. Dagegen athmet Maria Mildeund freundliches Wesen; ein weisses Tuch umhüllt dasGesicht, das in starkem Impast eine gute Modellirung, einenfeinen Schmelz und blassen Ton der Farbe zeigt. DenGegensatz dazu bietet das kräftige leuchtende Colorit desEvangelisten. Sein Gesicht drückt ruhige, ja fröhliche Ent-sagung aus. Weniger gelungen erscheint die strenge, un-edle Figur des Täufers. Ein höchst gewöhnlicher Kunstgriffdie Lebendigkeit des Ausdruckes zu erhöhen, die zwischenden halbgeöffneten Lippen sichtbaren Zähne verderben denKopf. Die anziehendste Gestalt des Bildes bleibt die weinendeMagdalena. Ihr Haupt ist mit einem weissen Turban be-deckt, von welchem ein zarter Schleier bis unter das Kinngeht, den Hals freilassend. Das enganliegende graue Kleid,mit einer blauen Draperie leicht bedeckt, ist tief ausge-schnitten und enthüllt deutlich die Körperformen. An dennackten Tlieilen bemerkt man eine gut gestimmte Farbeund richtige Modellirung innerhalb der feinen Umrisse undvon allen übrigen, dünnen, schlecht und falsch gegliedertenHänden unterscheidet sich die Hand Magdalena’s mit derSalbbüchse sehr zu ihrem Vortheile.

Auffallend muss es erscheinen, dass einzelne Theile wiez. B. die Extremitäten eine sehr geringe anatomische Kennt-niss verrathen, andere dagegen wie Magdalena’s Kacken undBusen, wie die Brust des Täufers grosse Fortschritte inderselben Wissenschaft bekunden. Die Gewänder fallenweicher und fliessender als sonst herab, dieses sowie derbreite Auftrag deuten einen späteren Ursprung des Werkesan, auf welchem auch der landschaftliche, mannigfach be-lebte Hintergrund vortrefflich gelang. Hinter dem Täuferbreitet sich Jerusalem aus, von dem mäandergleich strömen-