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Als unmittelbares Vorbild diente dem Künstler dasjüngste Gericht van der Weyden’s in Beaune , selbst in denUmrissen der Composition hat sich der Schüler genau andas Muster des Meisters gehalten.
Am goldenen Firmamente spannt sich ein Regenbogen,welcher Christus dem Weltenrichter zum Sitze dient; aufder ehernen Weltkugel ruhen des letzteren Füsse. Denfeierlichen Ernst der Handlung zu erhöhen sind auch diegoldenen, silbergeränderten Wolken bestimmt, welche denhimmlischen Sitz Christi stützen, sowie die Symbole derReinheit und Gerechtigkeit zu seinen beiden Seiten, derLilienstengel und das zweischneidige Schwert und die Werk-zeuge der Passion, von vier zuoberst auf der Tafel schwebendenEngeln getragen.
Schon räumlich wird auf diese Art Christus als derMittelpunkt der ganzen Darstellung bestimmt. Lange blondeLocken und ein dünner spitz zulaufender Bart rahmen einknochiges gezogenes Gesicht von trübseligem Ausdruck ein.Durch die Armbewegung, indem Christus mit der Rechtenden Segen ertheilt, mit der andern Hand die Verdammtenzurückweist, wird sein fahlfarbiger, hagerer, abgezehrterLeib sichtbar. Kur theilweise bedeckt ihn ein rother Mantel,dessen ausgehende Falten scharf brüchig mit unerschrockenemRealismus über den Regenbogen wie über- eine Holzbankgelegt sind. Zur linken knieet ältlich und bleich aufgefasstdie Madonna; sie starrt in .das Weite, ihre Stirn und ihrHals sind durch die zahlreichen Falten des weissen Schleiersverhüllt, der Haar und Nacken bedeckt; hinter ihr habensich in einer R,eihe sechs Apostel, angeführt von dem h. Petrus ,niedergelassen, mit leise bewegtem Ausdrucke, und geringemWechsel der Stellungen. Auf der anderen Seite schliessenJohannes der Täufer und die anderen sechs Apostel dieGruppe ab. Ihre Haltung ist lebendiger, sie reden untereinander und machen sich gegenseitig aufmerksam auf die