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stürzen oder einzeln von grausamen Teufeln geschlepptund gezerrt werden. Die Verzweiflung prägt sich in denKöpfen ebenso deutlich aus, wie die Todesangst in denkrampfhaften Zuckungen der Leiber. Auch die verschiedenenFormen der Qualen hat der Künstler trefflich geschildert.Eben so gut ist es ihm aber gelungen, die Freude und dieSeligkeit in den ruhig zufriedenen Zügen der Auserwähltenund ihrer feierlichen Bewegung auszudrücken.
Im Angesicht dieses mächtigen Altarwerkes, welchesin beklagenswerther Weise unter den Unbilden der Zeitund unverständiger Restauration gelitten hat, fällt jederZweifel über Memling’s Stellung in der altniederländischenKunst fort. Er ist ein treuer Anhänger der BrüsselerSchule, welcher ausserdem die heimischen Traditionen fest-hält und rein bewahrt. Er kann die Erbschaft nach seinemMeister, nach Roger van der Weyden , den trüben Ernst nichtvöllig verleugnen, er mildert aber, sanfter von Natur angelegtwie er ist, diese Eigenschaft und mässigt sie durch eine stillheitere Ruhe. Ohne an den grossen Linien der Compositionwesentlich zu ändern, die Roger für das jüngere Geschlechtmusterhaft festgestellt hat, offenbart Memling doch in Zeich-nung und Gruppirung eine neue Kraft. Man kann anMemling manches tadeln; er ist ungleich, und stolpert zuweilenüber die Schwierigkeiten der Proportion. Er enthüllt aberauch öfter fortgeschrittene Kenntnisse in der menschlichenAnatomie. Wie so viele Niederländer verwechselt auchMemling leicht finsteres Wesen mit würdigem Ernst; seinChristus und seine Apostel haben keine Spur übermensch-licher Schönheit an sich, weder der Ausdruck des Kopfesnoch die Körperformen machen bei der Madonna Anspruchauf Idealität. Der Kopf erscheint zu gross, die Schulternund der Leih zu schmächtig. Aber doch giebt es wiederKöpfe, z. B. jenen des Täufers oder Evangelisten Johannes ,welche durch die gefällige Freundlichkeit und eine gewisseWürde fesseln, und vollends der h. Michael mit dem leise