Buch 
Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
Entstehung
Seite
314
JPEG-Download
 

314

URSULAKASTEN.

welcher die h. Ursula zur Pilgerfahrt nach Rom auffordert,gewahren. Das zweite Bild schildert die Landung in Basel .Mehr als die phantastische Architectur fesselt das Augedie Strasse, welche sich zum Gebirge hinzieht und vonzahlreichen Einzelwanderern belebt sich zeigt. An der Schwelleeines prächtigen Rundbaues (wahrscheinlich ist das Bap-tisterium des Lateran gemeint) begriisst auf dem drittenBilde der Papst Cyriacus die Pilgerschaar und segnet dievor ihm knieende h. Ursula. In der Halle werden die Be-gleiter der Heiligen getauft, tiefer im Hintergründe wirdBeichte gehört und die Communion gespendet. Der Papstselbst mit Cardinälen und Bischöfen gibt der heimkehren-den Genossenschaft das Geleite. Bereits sind sie wiederbei Basel (viertes Bild) angelangt. Aus dem Tliore strömtdie Menge, um sich einzuschiffen; dicht gedrängt sind dieBoote, in deren vorderstem der Papst und die h. Ursula,betend und in frommer Unterhaltung begriffen, sitzen. DasMartyrium der Jungfrauen schildern die beiden letzten Tafeln,deren Hintergrund zusammenhängend wieder die Thürrne undKirchen von Köln zeigt. Bogenschützen sind hier hart andie landenden Schiffe getreten und schleudern ihre Ge-schosse; ruhig erwarten die Jungfrauen das Schicksal, kaumdass eine derselben eine abwehrende Bewegung macht oderin ihren Mienen Furcht und Schrecken ausdrückt. ImSchlussbild endlich empfängt auch die h. Ursula den Tod.Sie ist an das Ufer bis an das Gezelt des heidnischenImperator geschleppt worden, und wird hier von Bewaffnetenumringt, von einem Pfeile durchbohrt.

. Memling verdankt die grosse Freiheit und zierliche An-mutli, die er in allen diesen Scenen offenbart, zum Theilder Leichtigkeit, mit welcher er sich in Compositionenkleinsten Maasstabes bewegt. Vergleicht man aber denUrsulaschrein mit älteren Arbeiten des Meisters, so ent-deckt man, dass er überhaupt in der Kunst der Gruppirungund Anordnung fortgeschritten ist. Kein anderes Werk der