URSULAKASTEN.
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niederländischen Schule überragt Memling’s Schöpfung indieser Hinsicht. Durchaus natürlich, eben so richtig wieungezwungen bewegen und stellen sich die handelnden Per-sonen. Und nicht auf Kosten anderer Vorzüge bemüht sichetwa Memling , den Forderungen künstlerischer Compositiongerecht zu werden. Den Iieiz reicher, wohl abgewogenerFärbung entbehrt keine Tafel des Schreines. Diese Eigen-schaft erscheint im Kreise niederländischer Maler nichtselten; aber Memling gebietet auch über einen zarten Em-pfindungston und hütet sich vor übertrieben heftigen Be-wegungen. Er zwingt uns nicht, das Marterthum der h. Ursulabis zum letzten peinlichen Augenblicke mit durchzuleben,schliesst vielmehr weise die Handlung, ehe noch das warmeheitere Leben aus dem Körper der Heldin schwindet. Eherkönnte ihm ein gewisses Phlegma, eine kühle Nüchternheit,wo der leidenschaftliche Ausdruck angezeigt ist, vorgeworfenwerden.
Wie die Bauten des Hintergrundes, so erinnern auchdie Typen der verschiedenen Gestalten an die Kheinlande.Er kann die letzteren, die eben so charakteristisch, wiemannigfach in Zügen und Bewegungen sind, hier auf einerIieise studirt haben, er konnte sie aber auch in Brügge ti selbst beobachten, das damals noch ein wahrer Volksmarkt
war und ausdrucksvolle Gestalten aus allen Ländern undZonen dem Maler zur Verfügung stellte, ohne dass erStaden und Strassen der Stadt zu verlassen brauchte. Einwahrer Schatz frischen Lebens' und holdseligen DaseinsA offenbart sich in diesen zart gebauten, zierlich und leicht
bewegten Gestalten.
Die Feinheit des Pinselstriches, die vollendete Meister-schaft in der Wiedergabe des Einzelnen erregt immer aufsneue unsere Bewunderung. Die höchste Leistung seinesgeduldigen und genauen Fleisses bleiben doch die Lichterund Reflexe auf den polirten Rüstungen der Ritter, währenddie holden, lieblich heiteren Mädchenköpfe, gefällig in den