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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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IN PALERMO .

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Gestalten erscheint übrigens nicht mehr der naive Natura-lismus herrschend. Adam und Eva tragen noch am meistendas Gepräge eines solchen; hei den weiblichen Heiligenbemüht sich aber olfenbar der Künstler auch den Hauchidealer Anmutli hervorzurufen, was ihm aber nur bei derh. Katharina vollkommen gelang. Das Christkind hat einenaufgetriebenen Leib und unverhältnissmässig grossen Kopf;ungleich besser, was Holdseligkeit und Lebendigkeit betrifft,sind die kleinen Engelknaben geschildert. Die Earbe be-sonders in den Eieisclitheilen ist nicht dick aufgetragen,sucht nicht durch Helldunkel zu wirken, besitzt aber eineunvergleichlichen Schmelz und helle Leuchtkraft . 1

Auch Ragusa in Dalmatien rühmt sich ein Memling’- DornkMiosches Werk zu besitzen. Die Domkirche bewahrt einen ii« Könige,hochgeschätzten, wie ein Palladium verehrten Flügelaltar,welcher auf jenen Meister zurückgeführt wird. Gegenstandder Darstellung ist die Anbetung der Könige. Das Christ-kind auf dem Schoosse der Madonna empfängt die Huldigungdes ältesten Königs, welcher barhaupt vor ihm knieet undScepter und Weihgefässe zu den Eüssen des Kindes nieder-gelegt hat. Der zweite König mit der Krone auf demHaupt hebt den Deckel von dem Gefässe, welches er opfernwill. Der Mohrenkönig in rothem Barett und Untergewande

1 Palermo, Museum. Nr. 59. Holz.Das Grün der Bäume hat nachge-dunkelt, sonst ist das Bild mit Aus-nahme des einen Beines des Christ-kindes und des rechten Beines desleiersclrlagenden Engels intact. BasMuseum besitzt auch den Kasten, inwelchem das Triptychon, offenbar einBeisealtiirclien, wahrscheinlich Jahr-hunderte lang bewahrt wurde. Erist mit schwarzem Pergament über-zogen, diesem gotliisirende Orna-mente aufgeprägt. Bas Wappen-schild in der Mitte ist leider leer.Was nun die historische Einordnungdes Werkes betrifft, so lassen dieEarbentechnik, die Behandlung der

Landschaft unmittelbar an Memling denken. Bie Vermählung derh. Katharina im Besitze Gatteau’szeigt offenbar eine nahe Verwandt-schaft. Bie Schlusszeit des 15. Jahr-hunderts wird überdies durch dieArchitectur bestätigt. Bie symme-trische Stellung der Engel, die Kopf-typen erinnern aber eher an einejüngere Kraft. Wäre es wahr, dassder Namen Gerard auf dem Bildeverborgen angebracht ist, wie einZeugniss aus dem Anfang diesesJahrhunderts, in dem Kasten ein-geklebt, behauptet; so käme unwill-kürlich Gerard David auf die Zunge.Photogr. v. Tagliarini.