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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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DAS JÜNGSTE GERICHT.

hereingebrochen. Ein blutiger Aufstand bezeichnet denAnfang des österreichischen Regimentes; nachdem derselbebeigelegt, Kaiser Maximilian’s Herrschaft anerkannt war,richtete sich das Strafgericht gegen mehrere Rathsmit-glieder, u. a. gegen die Bürgermeister Jean de Nieuwen-hove und Jacques de Dudzeele. Sie wurden des Verratliesund der Bestechlichkeit angeklagt und mit dem Tode be-straft. Die neuen Schöffen liessen von Gerard David 1488ein jüngstes Gericht malen, welches im Rathssaale alsMahnung an ein gerechtes Richten und Urtheilen aufgestelltwerden sollte.

Erst im Jahre 1498 vollendete er das Werk, welchesdann von Schiedsrichtern, die die Stadt und die Zunft er-nannte, geprüft und zur Zufriedenheit befunden wurde.Die Schätzung und Abrechnung hat sich im Communalarcliivvon Brügge erhalten. 1

i Der Preis betrug 14 livr. 10 es-calins de gros, welcher in drei Raten,4 livres bei der Bestellung, 2 livres1491 und 8 liv. 10 esc. als das Werk1498 vollendet war, ausbezahlt wurde.Die Gehilfen Gerard’s erhielten einTrinkgeld von 3 esc. 4 den. de gros..Als das von den Schöffen bestellteRathausbild gilt vielen, auch Weale,nichtdas jüngste Gericht, von welchemkeine Spur vorhanden, sondern zweiTafeln, welche gegenwärtig in derAkademie (Nr. 24 und 25) bewahrtwerden und das Schicksal des un-gerechten Richters Sisamnes schildern.Es lässt sich nicht leugnen, dass derGegenstand dem oben erwähnten An-lasse der Bestellung entspricht undfür ein Gerechtigkeitsbild, wie sie inRathhäusern üblich waren, voll-kommen passt. Auch die Maasse(1.82 li. — 1.59 br.) sind ausserge-wöluilich und lassen an die Auf-stellung in einem grösseren Raumedenken. Aber eben die grösserenDimensionen befremden bei dem„Miniaturmaler“ Gerard David , unddie ganze Auffassung lässt sich mitder sonst bei ihm üblichen schwer

in Uebereinstimmung bringen. Jeden-falls ist noch eine genauere Prüfungdes Werkes erforderlich, ehe dasselbeendgiltig Gerard David zugesprochenwird. Der Inhalt desselben ist folgen-der: Auf der ersten Tafel sprichtCambyses , von einem stattlichen Ge-folge umgeben, das Urtheil über denbesteclilichen Richter. Er trägt eindunkelblaues Brocatgewand, darübereinen blauen Sammtmantel mit Her-melin, sein Haupt ist mit einer rothgefütterten Krone bedeckt, die Beinein Weiss bekleidet. Nachdrücklichdrückt er den Zeigefinger der Rechtenauf den Daumen der Linken, gleich-sam um die Wahrheit der Anklagezu bekräftigen. Ihm gegenüber stehtbarhaupt mit bestürzten MienenSisamnes, in rother Robe undschwarzem Mantel, die eine Handauf den Richterstuhl gestützt, überwelchem ein dunkler Teppich (darüberdas Datum 1498) gespannt ist. DieScene geht in einer offenen Hallevor sich, die auf eineil von Bautengeschlossenen Platz mündet; voreinem der Häuser übergiebt ein Manndem Richter einen Sack voll Silber.