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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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LIEVIN VON ANTWERPEN .

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Auch von Lievin von Antwerpen oder Lievin de Witte,denn beide Namen bedeuten wohl dieselbe Persönlichkeit,glaubt man Spuren entdeckt zu haben. Im englischen Privat-besitze, auf der berühmten Manchester -Ausstellung 1857weiteren Kreisen zugänglich, befand sich eine Anbetungder Könige, welche man ihm zuschrieb, obschon das Bild dieSignatur A. W. trug. Die Ausführung entbehrt der Feinheitund der fieissigen Sorgfalt nicht, überragt jedenfalls inFarbe und Zeichnung den Baum Jesse, mahnt an die hellenrosigen Lichter der Miniaturmaler und ist wenn auch nichtder Münchner Anbetung der Könige, doch der verkleinertenWiederholung derselben in Brevier Grimanrs verwandt.Ob aber das Werk in der That von Lievin de Witte her-rühre, können wir eben so wenig bestimmen, wie bei derVersuchung des h. Antonius in Xanten , welche gleichfallsdie Signatur A. W. trägt, und den flandrischen Ursprungnicht verleugnet. Karel van Mander hebt an ihm hervor,dass er in der Arcliitecturmalerei besonders bewandert ge-wesen sei. Das genügt nicht, um unter den zahlreichen Nach-ahmern Memling’s seine Individualität zu erkennen. 1

Harzen irrt aber darin, dass er dasBrevier unmittelbar aus den Händender Künstler in die Hände einesitalienischen Kunsthändlers, des An-tonio Siciliano, wandern lässt. Da-für gibt es nicht allein keinen An-haltspunkt, sondern dagegen sprichtauch die Bestimmung des Breviers,das offenbar von einem vornehmenGeistlichen bestellt und nicht fürden Kunstmarkt geschrieben und ge-malt war. Auch setzt er die Zeitder Abfassung zu spät an. Der Um-stand, dass es nothwendig durchmehrere Hände ging, ehe es derCardinal Grimani erwarb, macht eswahrscheinlich, dass es vor 1421 be-gonnen wurde. Ernst Eörster’sHypothese, Papst Sixt IV. , deröfters in dem Brevier genannt wird,habe dieses bestellt, müsste nochbesser gestützt werden, um auf all-gemeine Annahme zu rechnen. End-

lich leugnet Harzen Memling’s Theil-nahme, ohne dafür auch nur einQuentchen von Gründen beizubringen.Die Parallelen mit anderen Miniatur-werken, um Horebout’s Autorschaftzu beweisen, z. B. einem GebetbuchKarl V. und dem hortulus animsc inder Wiener Hofbibliothek, haben dasMissliche, dass wir von dem Künstlerkein einziges beglaubigtes Werk be-sitzen. Die Biographie aller Künstler,die den Namen Gerard führen, hatbei der Häufigkeit des letzteren inder niederländischen Künstlerge-schichte grosse Schwierigkeiten.

1 Die Holzschnitte in der „VitaJesu Christi , Antwerpice apudMatthceum Cromme 1637“ sind auchvon Lievin de Witte, der aber indem Akrostichon des VorgesetztenGedichtes „in laudem pictoris“ einGenter und nicht ein Antwerpenergenannt wird.