FÜNFTES GAFFTEL.
Rückschau und Ausblick.
Die altniederländisclie Malerei erfreute sich keinerlangen Lebensblüthe. Im Laufe eines Jahrhunderts voll-zieht sich ihr Schicksal; die Folge von drei Geschlechterngenügt, um Aufgang und Niedergang derselben zu er-blicken. Mit den Brüdern Van Eyck beginnt der Auf-schwung; aber schon ein Enkel Jan van Eyck’s hätte dieAnzeichen des nahenden Verfalles wahrnehmen können.Verknüpfen wir die kunsthistorischen Thatsachen mit poli-tischen Ereignissen, so empfangen wir zunächst den Ein-druck, dass das österreichische Regiment dem nieder-ländischen Kunstleben keine Gunst und Förderung erwiesenhabe. Mit dem Eintritte desselben sinkt die selbständigeKraft des letzteren; dagegen fallen die burgundische Herr-schaft und das Reich der flandrischen und brabanterMalerei zusammen. Dennoch wäre es voreilig, in der Kunst-liebe der burgundisclien Fürsten , oder in der befruchtendenEinwirkung des burgundisclien Staatswesens sofort die Wurzelder so reich blühenden niederländischen Kunst zu begrüssen.Die Verbindung mit dem burgundisclien Staate, der durchsein ephemeres Dasein seine seichte Natur verrieth, wardurchaus locker und nur äusserlicher Art, und blieb daherohne Einfluss auf die städtischen Culturkreise Flanderns ,