des Hrn. Joh. Michaelpon Loen. 545
vortrefflichen Arbeit der große Geist des Verfassersin eben solcher Stärke und Anmuth, wie in seinen an-dern Schriften, sondern diese Gespräche haben auchnoch diesen Vorzug, daß sie den Verstand des Lesersnicht mit bloßen Erfindungen unterhalten, sondern dem-selben lauter wahrhafte Begebenheiten aus den altenund neuen Geschichten, als lebendige Exempel vor Au-gen stellen. Beyde, sowohl der Telemach als dieseGespräche, sind zur Unterweisung eines zur französi-schen Krone gebohrnen Prinzen verfertiget worden, umdenselben durch die Verspiele der größten Leute zu rüh-ren, die jemals in der Welt gelebet haben. Diese tref-fen sich im Lande der Wahrheit und Aufrichtigkeit an,wo weder Lügen, noch Verstellung mehr gelten; sierücken einer dem andern ihre begangenen Fehler mit dergrößten Freyheit vor. Ein jeder findet sich genöthkget,solche an sich selbst zu erkennen, und zu verdammen, jawas noch mehr, er sieht sich in der Erwartung einesgerechten und strengen Gerichts. Man liefet diesesalles auch in der Übersetzung mit großem Vergnügen,da der Verfasser sich zwar genau an die Grundsprachegebunden, allein sich auch dabey einige kleine Freyhei-ten genommen, um den Zwang einer Uebersctzung, unddie so genannten Gallicismos zu vermeiden. DieSchreibart des Lenelons, als eines so großen Mei-sters in der Beredsamkeit, ist, wie in allen übrigenSchriften, die er herausgegeben, fließend, scharfsinnig,schön, nachdrücklich, und wie es die Beschaffenheit derSachen erfordert, bald mehr, bald weniger erhaben.In den Gesprächen hat er die Alten, als den piaro,Socrates, Lucian,glücklich nachgeahmet; es herrscheteine natürliche Freyheit darinn, und alles ist voll leb-hafter Bilder, Schildereyen und Lehren. Einige Fa-M m 5. beln