des Hrn. Gerhard tcn Cate. 649
Es ist in Holland sowohl als anderswo die Ge-wohnheit, daß, wer einmal diesen Grad erreichet hak,stch gar bald und eifrig nach einer Pfarre umzusehen,und als nach dem Port seiner Glückseligkeit zu sehnenpfleget. Unser Gelehrter war von einer andern Art.Er bezeugte bey seiner Zurückkunft in das Haus seinerAeltern sehr wenig Lust, sich auf der Canzel hören zulassen, und noch weniger in das Predigtamt zu eilen;sondern seHete in der Stille seine angefangene Stu-dien mit unermüdctem Fleiße fort. Obschon nun die»ses ganz nicht nach dem Sinne seines Vaters und sei-ner Anverwandten war, und er selbst manchen em-pfindlichen Verdruß deswegen auszustehen hatte; sokonnte er sich doch nicht entschließen, den angeneh-men Umgang mit seinem Büchervorrathe zuverlassen.Es that sich auch selbst bey ihm ein gänzlicher Wider-willen gegen das Predigen hervor; wozu wohl seinedamalige Leibesbeschaffenheit und Blödigkeit, welcheer selbst in dem Anfange seiner Antrittsrede zu Deven-ter gesteht, ein vieles beytragen mochte.
Indessen wies ihm die gütige Vorsehting ein Mit-tel, seine Gcschicklichkeit nicht bey sich selbst zu vergra-ben, sondern sein Licht auch andern aufzuzünden, in-dem er 1724. zum ordentliche» Lehrer der Weltweis-heit auf der Akademie zu Lingen berufen wurde. Hr.ren Eure hatte zwar aus den sprach- und theologischenWissenschaften sein Hauptwerk gemachet; er besaßaber auch in den schönen Wissenschaften, und vornehm-lich in der Weltweisheit, Stärke genug, besagtes Amtwürdig zu bekleiden.
Er that solches vier Jahre lang, nach deren Ver-lauf er den an ihn ergangenen Becufzugleichem Lehr-
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