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[Band 3.]
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638 Geschichte

sich einander zu bewundern: daß der Gelehrte denDichter als einen Menschen von Erfindung ansehe,welcher weiter nichts, als Worte in Ordnung zu brin-gen, wisse, und daß der Dichter den Gelehrten alseinen Mann von Gedächtniß ansehe,, welcher nichtsanders, als geschehene Dinge, zu untersuchen wisse.

Herr Racine konnte indessen seinen Trieb zumDi<i)ken nicht überwinden. Es war selbiger zu stark,und stieg im Gegentheil, gleichsam als ein gedämpftesFeuer, aus der Asche beständig wieder hervor. InS-besonder, nachdem er den Lauf seiner Studien vollen-det, sich in den Wissenschaften eine gewisse Vollkom-menheit erworben, und sich einer gelehrten Mußeüberlassen hatte, übte er sich nicht nur darin», son-dern führete auch selbst ein critisches Lehrgebäude derDichtkunst in ihrem ganzen Umfange auf. Und ge-wiß ! es ist kein Wunder, daß ein Mann von sovieler Gelehrsamkeit und Einsicht, von einer so er-habenen und schönen Denkungsart, von einem sofeinen Geschmack und solcher Belebtheit, sich so vor-züglich darin» hervorgethan habe. Kein Wunderauch, daß sein Vaterland seinen Gaben und Verdien-stcn alle Ehre gethan, daß die berühmte königlicheAkademie der Aufschriften und schönen Wissenschaftenzu PariS ihn unter ihre vierzig, wie auch die zuToulouse, Lyon und Marseille, nicht weniger dieneuere der Wissenschaften, Aufschriften und schönenKünste zn PariS, zu ihrem Ehrenmitgliede angenom-men, und daß seine Schriften einen allgemeinen Bey-fall und reißender Abgang erhalten haben. Kein Wun-der endlich, daß auch auch die Ausländer solche be-

gierig