Band 
[Band 4.]
Seite
145
JPEG-Download
 

des Herrn Johann Ludewig. 145

Es fehlte aber viel, daß ihm diese Beschäfftigungeben so wohl gefallen hätte. Wenn es bey ihmallein gestanden, er würde ihr sogleich entsaget ha,den. Ein wenig Zwang brachte ihn zur Fertigkeit,und die Fertigkeit harte ihre gewöhnliche Wirkung,daß nämlich auf den Ekel dawider der Geschmackdaran folgte. Sobald er etwas im Schreiben ge-than hatte, gab er sich an das Abschreiben, undmachte allerley Auszüge und Sammlungen, wieman sie von seinem Alter und Einsichten erwar-ten konnte.

In seinem vierten Schuljahre, welches da-zehnte seines Lebens war, ward er zur Rechen-kunst angeführet. Neue Schwierigkeiten für ihn,welche ihm noch unübersteiglicher zu seyn schienen,da ee zumal seinem Meister an Geschicklichkeit zumUnterrichte fehlte. Er enthielt nichts davon, undals er die Schule verließ, bestand seine ganze Wis-senschaft im Lesen, Schreiben und CaiechismuS.Er ward zum Kühhürer gebraucht. Dieß Amtmachte ihn wild und grob, und er vergaß darüberbeynahe alles, was er gelernet hatte. Böse Ge-sellschaften verdarben ihn: er liebte das andre Ge-schlecht. Mitten unter diesem allen aber behieltdie Ehrsucht, Andere zu übertreffen, ihr Leben inihm. Er erinnerte sich, daß er in seinen Schul-jahren gelobet und seinen Mitschülern vorgezogenworden wäre. Er wünschte, dieses Vergnügensnoch zu genießen, wußte aber nicht, wie er dazugelangen sollte.

Neu Gel. Europa XII! Theil. K Im