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Ungleich bedeutender sind in der Schweiz die Ucbcrreste von Glas-malereien des 14. Jahrhunderts^ Als Krone von allen stehen dieFenster im Chor der Kirche zu K vnigsfelden da, die überhaupt zuden vorzüglichsten Leistungen gehören, welche die Glasmalerei des 14.Jahrhunderts hervorgebracht hat^). Das ehemalige Kloster erhebtsich auf einem Boden, den die natürliche Beschaffenheit der Lage zugeschichtlicher Bedeutsamkeit vorherbestimmt zu haben scheint. Kaumeine Viertelstunde abwärts rollt die Aare ihre reißenden Fluthen dahin,in kurzen Zwischenräumen zuerst die Reuß, dann die Limmat aufneh-mend. Auf dem erhöhten leise ansteigenden Terrain, welches dieserspitze Winkel umfaßt, lag die Römcrstadt Vindonissa, die im Namendes Dorfes Windisch kümmerlich nachlebt. Noch jetzt wirft der Pflugdes Landmannes Jahr für Jahr Münzen und andere kleine Ueberresteder alten römischen Niederlassung zu Tage, und römische Dachziegelschauen aus dem Mauerwcrk des Klosters hervor. Ganz anderenStempel drückten spätere Zeiten diesem Erdwinkel auf. Am 1. Maides Jahres 1308 war es, daß hier auf freiem Felde der Kaiser Al-brecht erschlagen wurde. An der Stätte, wo der Mord geschehen war,gründete im folgenden Jahre die Kaiserin Elisabeth ein Doppelklostcrfür Franziskaner-Mönche und Clarissiuncn. Der Bau der Kirchescheint indeß erst gegen die Mitte des Jahrhunderts vollendet wordenzu sein. Jedenfalls gehören die Glasgemälde in diese Zeit. Vonden eilf Fenstern des Chores sind neun mit ihren Glasgemülden nochgrößtcntheils erhalten, die übrigen mit den oben bereits erwähntenResten dekorativer Glasmalereien aus dem Schiff der Kirche ausge-füllt. Diese Glasgemülde bilden einen Cyclus, welcher schon durchdie Eintheilung und die Farbenanordnung sich als ein klar durch-dachtes architektonisches Ganzes ausspricht. Die Fenster sind sämmt-lich durch steinerne Pfosten in drei Theile zerlegt, und die figürlichenDarstellungen sind entweder von Medaillons umschlossen oder mitgothischen Baldachinen bekrönt. Das Hauptfenster der östlichen Schluß-