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und von geringerer Hand, die den manierirten Bewegungen, den über-triebenen Stellungen und affektirtcn Geberden, wie sie etwa seit derMitte des 14. Jahrhunderts üblich "weiden, in bedenklicher Weise nach-geht. Auch das Naturgcfühl, das Verständniß der menschlichen Ge-stalten in Form und Gebahren steht bei Weitem nicht so hoch wie inden Fenstern von Königsfcldcn. Die Darstellungen enthalten Christusam Kreuz mit Maria und Johannes, darunter die Verkündigung, d. h.die betende Maria und der Erzengel Gabriel . Der Stifter Walthervon Eschcnbach ist daneben knieend angebracht, ähnlich wie zu Königs-felden der untere Theil der meisten Fenster als Donatoren die Herzogeund Herzoginnen des österreichischen Hauses ausweist. Ferner siehtman die Himmelskönigin mit dem Kinde und Johannes den Evange-listen, diese beiden Gestalten von besserer Zeichnung, offenbar Werkeeiner anderen, geschickteren Hand. Sodann die Anbetung der heiligendrei Könige, verschiedene Bischöfe und Heilige, endlich eine häßlichübertriebene Darstellung Christi, der dem zweifelnden Thomas seineWundenmale zeigt.
Dieselbe Anordnung kehrt an dem einzelnen Chorfcnster wieder,welches man in der Kirche zu Oberkirch , der alten Pfarrkirche vonFraueufeld, noch mit Glasgemälden geschmückt sieht. Auch hier sindes einzelne Gestalten unter gothischen Baldachinen; auch hier werdendie übrigen Flächen durch prachtvolle buntfarbige Rosetten, welche gleichdenen von KaPPcl treffliche Muster für Weberei und Stickerei abgäben,ausgefüllt. Der Inhalt des Fensters ist dem einen der Kirche zuKappcl fast völlig gleich; denn in der oberen Abtheilung sieht manChristus am Kreuz zwischen Maria und Johannes, in der unteren dieVerkündigung, und nur das dritte Feld, in welchem dort der Stifterkniet, zeigt hier den Patron der Kirche, St. Laurentius. Auch darinunterscheidet sich dies Fenster von den Kappelcr Glasgemülde», daßder Grund nicht farbig, sondern weiß mit schwarzen Rauten und Vier-pässen, oder schwarz gekörnt mit eleganten weiß ausgesparten Ephcu-