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Ueber die alten Glasgemälde der Schweiz : ein Versuch / von Wilhelm Lübke
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ranken ist. Die Zeichnung der Figuren hält sich zwar von der über-triebenen Manier der Kappclcr Glasgcmälde fern, ist aber überhauptvon geringer Hand, ziemlich plump und derb, ohne feineres Form-gefühl. Nur in dekorativer Hinsicht hat auch dieses Fenster seineneigenthümlichen Werth.

Umfangreicher und wichtiger sind dagegen die Glasgcmälde imMünster zu Freiburg , welche aus dem ehemaligen Kloster Altcnriff(Unutsrivs) herrühren. Sie füllen die beiden Fenster in den schrägenSeiten des Chores. Jedes der beiden Fenster enthält in drei großenMedaillons, welche wie in Königsfelden die ganze Breite einnehmenund also von den beiden steinernen Pfosten durchschnitten werden, jedrei Heilige, also in jedem Fenster 9, in beiden zusammen 18 Figuren,unter denen außer anderen Heiligen die Gestalten der Apostel zu er-kennen sind. Die ausfüllenden Ecken, welche zwischen den großen Me-daillons übrig bleiben, haben Prophctcngestalten in kleineren Medaillons.Unten am Fuße des Fensters sind in zwei Reihen je drei kleinereMedaillons angebracht, welche an der Nordscite Scenen aus der Kind-heit Christi, an der Südseite die Vorgänge der Passion enthalten.Den oberen Abschluß der Fenster bilden gothische Baldachine, die mitdurchgeführter Schattenangabe die Nachahmung wirklicher Stcinarchitekturversuchen. Dies Abweichen von den früheren stylistischen Grundsätzender Glasmalerei scheint dafür zu sprechen, daß diese Werke dem Aus-gange des 14. Jahrhunderts angehören. Der Teppichgrund der großenMedaillons besteht ähnlich wie bei den Fenstern von KaPPcl abwech-selnd aus grünen und rothen oder blauen und rothen Rantenmustern.Das Figürliche ist auch hier von untergeordneter Art, und man siehtan allen diesen Fenstern, mit Ausnahme derer von Königsfelden , wiedie ganze Glasmalerei bei dem starken Uebcrwicgen der rein technischenGesichtspunkte, leicht ins Handwerkliche hinabsinken mußte. Auch trittin der Zeichnung der Köpfe und der Gewänder der ideale Schönheits-sinn der gothischen Epoche bereits merklich zurück, was ebenfalls auf