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dm Ausgang dieser Periode zu deuten scheint. Verweilen wir nocheinen Augenblick bei unserem Vergleich, so muß gesagt werden, daßin decorativer Gesammtwirkung die Fenster von Königsfeldcn den erstenRang behaupten. Denn bei höchstem Reichthum an figürlichen Dar-stellungen halten sie durch die Einfarbigkeit der Gründe bei mannig-fachern Wechsel des Farbcnspicls eine größere Ruhe fest als die Fenstervon Kappel und von Freiburg mit ihren zweifarbigen Tcppichmusternund die von Oberkirch mit ihren schwarz und weiß gezeichneten Gründen.
Die Fenster von Freiburg führen uns schon dicht an die Grenzeeiner neuen Epoche, die nun gegen die Mitte des 15. Jahrhundertszur vollen Entfaltung des Realismus gelangt und dadurch mit deridealistischen Auffassung der gothischen Epoche in scharfen Gegensatztritt, wenngleich sie in ihren Gegenständen noch immer in den Kreisder mittelalterlichen Stoffwclt gebannt bleibt. Ich brauche hier nurkurz daran zu erinnern, daß diese Richtung um das Jahr 1420 durchdie Brüdcr van Eyck in den Niederlanden zur Herrschaft gelangte.Die Erfindung oder Vervollkommnung der Oelmalerei kam dem Be-dürfniß nach einer bestimmteren Auffassung der Wirklichkeit, nach einervolleren Wiedergabe der Natur entgegen, und die Malerei vermochteihre Gestalten von den goldschimmernden Teppichgründcn der früherenZeit zu lösen und sie in plastischer Rundung aus ihre perspektivischvertieften Pläne zu stellen. Fortan breitet sie selbst in ihren kirchlichenWerken das wirkliche Leben in seiner Fülle und Mannigfaltigkeit aus.Was Wunder, daß die Glasmalerei, im Bewußtsein ihrer fortwährendgesteigerten Beherrschung der Technik, der Oelmalerei nachzueifern be-ginnt und durch vermehrte Anwendung der verschiedenen Schmclzfarbenden Eindruck durchgeführter Gemälde mit ihrer reich abgestuften Model-lirung und Luftperspcktive zu geben versucht! Zwar behält sie manchmal