32
Regula und Exuperantius darstellt, ihre abgehauenen Köpft vor sichtragend. Besonders anmuthig ist der Kopf der heiligen Regula mitseinen langen goldenen Locken. In den übrigen Fenstern sind dieWappen der Stifter mit ihren Schutzpatronen zusammengestellt. SoSt. Leodegar mit dem Wappen von Luzeru, St. Oswald mit demvon Zug, St. Martin zu Pferde als Patron von Schwyz , ferner dieWappen des Bischofs von Constanz und des Standes Uri, jedes vonzwei Engeln gehalten.
Mit den zuletzt besprochenen Fenstern sind wir bis hart an dieThore einer neuen Zeit gerückt. Zehn Jahre ungefähr, nachdem inBern das Fenster mit der Hostienmühle eingesetzt war, erhielt dasDognia der Transsubstantiation, das darin eine so wunderliche Ver-herrlichung gefunden hatte, sammt dem ganzen Katholizismus dort denTodesstoß. Unter der siegreich sich ausbreitenden Reformation gehtdas Mittelaltcr auch im größeren Theile der Schweiz zu Ende. Wienun im Gefolge gewaltiger Geisteswehen die neue Zeit geboren wird,
, wie unter Stürmen und Kämpfen der phantastische Glaube der frühereni Epoche dem Dränge nach freier Forschung, nach Erkenntniß der mensch-i lichen und göttlichen Dinge weichen muß, bemächtigt sich auch der! Kunst ein neuer Geist. Sie will nicht mehr ausschließlich der Kirche: dienen, sondern frei in's Leben hinaus treten und dem menschlichenDasein in allen seinen Beziehungen als edelster Schmuck sich zugesellen.Hatte früher das kirchliche Element sich der ganzen äußeren Existenzherrschend und bestimmend eingeprägt und war dadurch das Heiligenothwendig der Profanation verfallen, so sucht mau jetzt die Gebietedes Heiligen und des Profanen schärfer zu sondern, wobei freilichzur Wiedervergeltung letzteres nicht selten in ersteres übergreift.