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Wo nun die Freude an der Kunst sich lebendig erhält durch alleStürme der Zeit hindurch, wie in der Schweiz , da spricht dies völligveränderte Verhältniß sich auch in den künstlerischen Werken unverkennbaraus. Wie die Bedeutung des Individuums sich auf allen Gebietengeltend zu machen weiß, so nimmt auch die Kunst in erster LinieAntheil an der schmuckrcichen Gestaltung des Einzellcbens. Sie wirdweltlich und dient überwiegend weltlichen Interessen als Ausdruck.Eine der wichtigsten Aufgaben erwächst ihr im Bau behaglicher Wohn-häuser, die das verfeinerte Leben des reich cmporgeblühten Bürgerthums-jetzt heiterer und Prächtiger zu gestalten, verschwenderischer zu schmückenliebte. Als künstlerischer Ausdruck dieses Verhältnisses dringt im Be-ginn des 16. Jahrhunderts die Renaissance von Italien her ein, undim Bunde mit der Reformation vollzieht sie auch in der Schweiz dievöllige Umgestaltung der Existenz. Wenn aber in Italien stolze Pa-läste mit Säulcnhöfen und Loggien, mit Wandgemälden, Prachtdcckenund Marmorkamincu sich erhoben, so gestaltete sich in der Schweiz daswohnliche Bürgerhaus minder prunkvoll aber anheimelnder, mit Erkernund Thürmen nach außen, mit zierlich getäfelten Wänden, gemaltenOeftn und gemalten Fenstern im Innern. Eigenthümlich genug sindes vor allem diese Spender des Lichtes und der Wärme, auf welchenin erster Linie der farbige Eindruck jener schmucken Bürgerstubcn des16. Jahrhunderts beruht. An beiden hat die Malerei und die Spruch-weisheit der Zeit sich nach Herzenslust gehen lassen und beredte Zeug-nisse für Alles, was ihr im Sinne lag, gegeben. Und dabei ist esbelehrend zn sehen, wie durch die Natur des Materials die Ocsm zueinem mehr und mehr oligochromen Style kommen, in welchem ein sanftesBlau mit seinen benachbarten Tönen auf milchweißem Grunde einenweichen Farbenakkord «giebt, während die Fenster möglichst panchro-matisch behandelt in den brillantesten Farben förmlich schwelgen, wobeidas leuchtende Nubinroth die Dominante bildet. Fügt man dazu diedunkelbraunen getäfelten Wände und die geschnitzten Decken und etwa
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