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stalten mit Sammet und Seide, mit Damastgewcben, Stickereien undPelzwerk, mit funkelnden Waffen und Geschmeiden, die umgebendeArchitektur mit ihrer Nachahmung vielfarbigen Marmors, mit goldenenArabesken auf weißem Grunde, endlich die zart abgetönten landschaft-lichen Hintergründe, das Alles wurde von/der Glasmalerei mit unüber-troffener Virtuosität ausgeführt. Durch die auf's Höchste vervollkomm-nete Technik des Ansschlcifens der Uebcrfanggläser und des Aufmalensund Einbrennens der verschiedensten Schmclzfarben wurde es möglichgemacht, jede Abstufung des Colorits vom Kräftigsten bis ins Zartestein solcher Vollendung herzustellen, daß diese Art der Glasmalerei inden höchsten Effekten mit der Oelmalerei nicht allein zu wetteifern,sondern durch die feurige Glut ihrer durchscheinenden Farben sie zuüberbieten vermochte. Wo diese rein malerische Behandlung des Glas-bildes in großen Dimensionen und bei monumentalen Aufgaben sich gel-tend macht, wie in manchen französischen und niederländischen Kirchen-fenstcrn des 16. Jahrhunderts, da ist eine Dissonanz nicht zu'vermeiden.Wo sie dagegen, mit Verzichtleistung auf die großen kirchlichen Auf-gaben sich in kleineren Rahmen schmiegt, mit Ihren zierlichen Gebildenals heiterer Schmuck des Lebens sich dicht an den Beschauer drängtund als Einzelwerk liebevollster Miniatur-ausführung den Blick zufesseln sucht, da ist diese rein malerische Behandlung in ihrem vollenRechte. Daß die Glasmalerei der Schweiz diese Grenzen so richtigerkannt und so scharf eingehalten hat, verleiht den Werken ihrer Schluß-epoche ihren hohen Werth und ihre hervorragende Bedeutung für dieKunstgeschichte. Und noch etwas Anderes zeichnet diese späten schweizerGlasgemälde aus: die ticfgewurzelte Liebe zum Vaterlande, das inmittenmächtiger Staaten in Jahrhunderte langen Kämpfen sich die Freiheiterrungen hatte, führt einerseits zur Darstellung der Heldenthaten derVorfahren, also zu einer Geschichtsmalerci, die ihren Stoff aus demnationalen Bewußtsein schöpft; andererseits zur treuen Schilderung vonStädteprospekten und landschaftlichen Sccncrieen der Heimat, also zu