44
Glasmaler, wie denn im Jahre 1562 die Kammer zu Innsbruck durch den Prälaten von Muri ein Glasfenster mit dem alten und neuenösterreichischen Wappen „in Zürich , da ein guctter Maler und Schmelzersein solle", bestellen ließ.") Dieser Auftrag ist um so bcmerscnswcrther,als wir kürzlich erfahren haben"), daß gerade ein Jahr vorher dertüchtige Glasmaler Paul Dax , der in Innsbruck für den Hof be-schäftigt war und selbst von außen, wie von der Stadt Ensisheim imElsaß , Bestellungen erhielt, das Zeitliche gesegnet hatte. So wandteman sich also schon deshalb an einen erfahrener schweizer Künstler,während man bald darauf, wie wir durch denselben Gewährsmannwissen, in Innsbruck wieder einen österreichischen Glasmaler, ThomasNeidhart von Feldkirch , beschäftigte.")
Fragen wir endlich nach dem stylistischen Gepräge, welches denSchweizer Glasmalereien dieser Epoche eigen ist, so finden wir fastausschließlich die Künstler wie mit dem architektonischen Beiwerk soauch mit den figürlichen Theilen im Geleise der italienischen Kunst.Und zwar herrschen in der ersten Hälfte des Jahrhunderts besondersdie Einwirkungen der Schule Rafael's, mit denen sich später Einflüsseder venezianischen Malerei kreuzen. So wenig wie die gleichzeitigenNiederländer und Deutschen sind auch diese schweizer Künstler vondem manierirten Wesen freizusprechen, welches diesen italienisirendeuBestrebungen auf nordischem Boden damals anhaftete; allein innerhalbdieser von der Zcitströmnng einmal eingeschlagenen Richtung bewegensich die begabteren unter den Malern der Schweiz mit einer eigenenLebendigkeit der Phantasie und mit einer nicht gering anzuschlagendenflotten Meisterschaft der Darstellung. Und wo daneben in den zahl-reichen Portraitfiguren und den Schilderungen vaterländischer Begeben-heiten und zeitgenössischer Personen und Zustände die nahe Wirklichkeitsich dem künstlerischen Auge als Vorbild und Anregung bot, da erfreutoft ein eigenthümlich frischer Hauch von Unmittelbarkeit und lebens-voller Treue. Nur selten scheinen die Glasmaler zu Compositionen