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älterer deutscher Meister gegriffen zu haben, und es dürfte zu den Aus-nahmen gehören, wenn wir in einem Glasgemälde aus dem Kreuzgangdes Klosters Muri mit der Jahrzahl 1573 eine Nachbildung vonDürcr's bekannter Krönung der heiligen Jungfrau antreffen.
Um von dem Charakter dieser Glasscheiben eine nähere Anschauungzu erhalten, genügt es die in den öffentlichen Sammlungen und inPrivatbesitz noch zahlreich vorhandenen Werke einer Prüfung zu unter-werfen. Denn trotz aller Zerstörungen und Verschleppungen — (besitztdoch allein das Museum des Mböl ätz Olrupp zu Paris über 40schweizer Glasgemälde aus dieser Epoche) — ist immer noch eine Fülledieser Prächtigen Arbeiten auf Schweizcrboden erhalten. Auch in öffent-lichen Gebäuden, wie im Schützenhanse zu Basel , sind noch trefflicheGlasgemälde zu schauen. Ich muß mich indeß begnügen, auf diedrei wichtigsten Cyklen hinzuweisen, welche au solchen gemalten Scheibenjetzt noch in der Schweiz anzutreffen sind, und die hoffentlich sovielPietät finden, um niemals gleich so vielen früheren ins Ausland ver-schachert und verschleppt zu werden. Ich meine die Glasgcmälde derKrcuzgänge von Wcttingcn, Muri und Rathhausen.
Was zunächst die Glasgcmälde zu Wettingen betrifft, so sindsie die einzigen, welche noch jetzt ihren ursprünglichen Platz behauptethaben. Da an andern: Orte über dieselben ein Bericht von mir vor-liegt")^ so kann ich mich hier auf einige Andeutungen beschränken.Es sind im Ganzen noch 60 gemalte Scheiben erhalten, welche vonden eidgenössischen Orten, sowie von befreundeten Klöstern und Prälaten,auch von angesehenen Privatpersonen gestiftet worden sind. Sie ent-halten in einer prächtigen Renaissance-Architektur von Säulen, Atlantenund Karyatiden und von Bogen mit Genien, Masken und Frucht-schnüren das Wappen des Stiffcrs als Hauptdarstellung. Aber überden Bogen in beiden Ecken, sowie an dem architektonisch behandeltenSockel sind historische Bildchen von miniatnrhafter Feinheit angebrachtund durch beigcgebcne Verse erläutert. Außer dem bedeutenden Auf-