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wand an künstlerischen Mitteln, der Gediegenheit der Ausführung undder seltenen Farbenpracht, die namentlich den früheren dieser Arbeiteneigen sind, haben sie darin ihren großen Werth, daß sie uns die Ent-wickelung der schweizerischen Glasmalerei wahrend eines ganzen Jahr-hunderts, von 1520 bis 1623, darlegen, und daß sie umfassenderals an einem andern uns erhaltenen Beispiel auf die Geschichte deseigenen Landes eingehen. Das Merkwürdigste ist aber, daß die Helden-thaten der schweizerischen Vorzeit mit biblischen Scenen so in Parallelegestellt werden, wie man es im Mittclalter mit den Vorgängen desalten und neuen Testamentes machte, so daß also das vaterländischeThema seinen höheren Reflex oder sein Vorbild in einem Vorgangder heiligen Geschichte findet. So sieht man der Schlacht von Mor-garten, wo die Feinde in den See gesprengt werden, die Darstellungder Sündfluth gegenüber gestellt. Die Schlacht von Scmpach erhältin der Geschichte von Esau und Jacob ihr -entsprechendes Vorbild, dain beiden Fällen gezeigt werden soll, wie Gott die Seinen gegen dieNachstellungen der Feinde schützt. Ferner: Struthahn Winkelried befreitsein Land vom Drachen; Esther befreit ihr Volk vom bösen Haman .Baumgarten erschlügt den Landvogt; Judith den Holoferncs, der einPassendes Vorbild für den frevelhaften Lüstling Wolfenschießen genanntwerden muß. Die Schlacht von Dornach, in welcher die Feinde beimMahle überrascht wurden, ist durch zwei Darstellungen, wie Christusdie Käufer und Verkäufer aus dem Tempel treibt, und wie er dasAbendmahl einsetzt, erklärt. Weiter sieht man einerseits Bern insReich aufgenommen, andrerseits Gott seinen Bund mit Noah machen.Endlich ist bei der Darstellung eines Freischießens nicht bloß durchdie Verse, sondern auch durch die das Christkind mit ihren Geschenkenverehrenden heiligen drei Könige auf die „freien Gaben" verwiesen:„Hand Flyß daß Jeder schieß zum Zil,
Denn es sind fryer Gaben vil,
Damit der Schütz nit lär gang abUnd etwas Nutz im Schießen hab."