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Ueber die alten Glasgemälde der Schweiz : ein Versuch / von Wilhelm Lübke
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Gcmäldc hak mit dem Jahr 1555 begonnen und ist in den folgendenDezennien bis in die neunziger Jahre größtcnthcils vollendet worden.Nur vereinzelte Scheiben sind Nachzügler von 1624 und 1625. Sogehört also die Mehrzahl dieser Fenster der Glanzepoche der schweizer Glasmalerei an, zu deren trefflichsten Leistungen sie zum großen Theilgezählt werden müssen. Sie enthalten Wappen der eidgenössischen Orte,sowie der bei der Schweiz accreditirten Gesandten der katholischenMächte Spanien , Frankreich und Oesterreich, ferner der befreundetenGotteshäuser von Rhema», Einsicdeln, St. Gallen , Engelberg undSt. Blasien , und endlich mancher angesehener Privatpersonen. Mitbesonderer Vorliebe und reicher Phantasie sind die architektonischen Ein-fassungen ausgeführt. Man sieht Säulen mit ionischen oder korinthischenKapitälen, gelbe Pfeiler mit weißen Hermen, Atlanten oder Karyatiden,weiße Gebälke mit goldenen Relieffriesen, rothe Architrave, grüneSäulenkapitäle, gebrochene Bogen und kassettirte Decken, dann wiederGiebelfelder mit Kaiserbüsteu, Putten an den Postamenten und überden Gebälken, bisweilen Gewölbe und gicbelartige Architrave mitOeffnungen durchbrochen, aus welchen Frnchtschnüre niederhangen. Soist schon an der architektonischen Einfassung alle Pracht der Farben,aller Reichthum der Formen in verschwenderischer Mannichfaltigkeiterschöpft.

Neben den Wappen enthalten auch hier die übrig gebliebenenFelder am Sockel und über den Bögen zahlreiche kleine Darstellungen,in welchen sich die verschiedenen geistigen Interessen der Zeit aus-sprcchen. Man sieht biblische und legendarische Scenen, so Davidund Goliath, letzterer durch aufgefahrene Kanonen gedeckt, gegen welcheder kühne Hirtenknabe bloß mit seiner Schleuder anrückt (vom Jahre1563). St. Michael als Seclenwägcr vom Jahre 1557, wobei einpossierlicher Teufel sich Mühe giebt, durch einen Mühlstein die zu leichtbefundene Waagschaale herabzudrückcn. Als Wappcnhalter sind ab-wechselnd Bannerträger, wie bei einer Scheibe von Schwyz (1557),