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mit dem die alte Kunst zu Ende geht, nachdem wir fast neun Jahr-hunderte früher ebenfalls in der Schweiz , im Fraumünster zu Zürich ,die ersten gemalten Fenster kennen gelernt.
Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts kam jener nüchterne Fa-natismus der Aufklärung, der nicht zufrieden auf geistigem Gebieteüberall Licht zu schaffen, aller mittelalterlichen Dämmerung auch in derKunst den Krieg erklärte und am verhängnisvollsten für die Glas-gemälde geworden ist. Damals wurden Tausende von gemalten Fen-stern mit dem Hammer zerschlagen und als wcrthloser Plunder fort-geworfen, weil die damaligen Glaser sie nicht einmal gegen farblosesFensterglas annehmen wollten. Aber zu derselben Zeit, am 3. Juli1796, schreibt eine sorgliche Hand auf ein Blatt in der Sammlungder Handzcichnungcn für Glasgemaldc, die auf dem Antiqnarinm zuZürich aufbewahrt wird: „Freilich liegt die ganze interessante Geschichteder Glasmalerei in der Schweiz , deren Meister es auf den höchstenGrad gebracht hatten, denen in der Schönheit der Färbung keineandere Nation zuvorkam, leider noch fast ganz im Dunkeln; und werwird sie an's Licht bringen?"
Ich darf mir nicht anmaßen diesen wehmüthig ausgesprochenenWunsch erfüllen zu können, denn es fehlt mir die Muße zu den um-fassenderen Studien, die jedenfalls noch mehrere Jahre in Anspruchnehmen würden. Ich konnte nur, wie die ältesten Meister der begin-nenden Glasmalerei, etliche Bruchstücke aufsammeln und mnsivisch ver-binden. Hoffentlich kommt bald ein rüstiger Forscher, der an dieStelle dieser Mosaik ein sorgfältig durchgeführtes, nach allen Seitenerschöpfendes, an liebevoller Behandlung und anziehender Wirkung denGlasscheiben der besten Zeit zu vergleichendes Bild dieses Gegenstandessetzen wird.