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Um 1625 melden sich überall die Zeichen eines rasch eindrin-genden und überhand nehmenden Verfalles. Zwar wird noch Manchesgearbeitet, aber im Ganzen doch seltener, die Darstellungen werdengeringer nach Inhalt und Form, "die Zeichnung geistlos und plumpoder matt, die Farben verlieren ihre Kraft und Glut, werden fadeund scheinen oft so schlecht eingebrannt zu sein, daß sie verblichen oderganz verloschen sind. Wie es damals oft gegangen sein mag, läßtsich aus gewissen Klagen über ungenügende Glasmalerarbeit erkennen,welche selbst bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts hinaufreichen.Schon im Jahre 1554 wird über die Scheiben, welche Paul Dax von Innsbruck für das Rathhaus von Ensisheim geliefert hatte"), ge-klagt, es sei deren „der mehrcr Theil nit geschmelzt, sondern an vielenOrten mit Oclfarben die das Wetter nit leiden mögen gemalt". Aller-dings mag dabei die Eifersucht der Elsasser Glasmaler mit ins Ge-wicht fallen, die dem ausländischen Künstler seine fünf Gulden PerStück nicht gönnten und sich für zwei Gulden eine Scheibe zu malenerboten! Aber auch über die Glasgcmälde des Meisters Neidhart klagtim Jahre 1575 die Kammer zu Innsbruck "), daß sie „schlecht vonFarben, auch nit von ganzen Stücken geschmelzt seien". In der Schweiz lassen sich seit den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts alle dieseMangel und noch manche andere bereits erwähnte an den meisten Glas-malereien nachweisen, und bald darauf war die Freude an solchenWerken im Publikum, und die Technik derselben bei den Künstlernvollständig verloren gegangen. Vielleicht der letzte Nachzügler in derlangen Reihe von Glasmalern ist der Baseler Meister Mancwctsch(eigentlich Wannenwctsch) von welchem es in einem Bericht vom Jahre1763 heißt 5"), daß er „noch einige kleine Sachen artig auf Glasgemalt und eingebrannt" habe. „Aber seine Farben waren gegen diealten wie todt und verdorben und trotz diesem Maler wurde dieseKunst schon zu seiner Zeit für verloren gehalten, nämlich in Ansehungihrer Vollkommenheit". Also in der Schweiz der lehre Glasmaler,