13
selbst cingcstehen muß, eben das ist des Menschenwahrer Charakter, das was wir zum Grunde legenmüßen, wenn unser Urtheil billig seyn soll; Billigkeitaber sind wir einander vor allen Dingen schuldig, undsollen nicht einzelne Worte oder Handlungen auf dieWaagschale der Gerechtigkeit legen, um den ganzenMenschen darnach zu richten; wer wollte da bestehen!
-,Thue selbst, was du lehrest, und übe deine Bil-ligkeit auch an Clotildc!" hör ich dich erwiedern —Das thu ich auch, ich erzähle nur, was und wie ichsehe und höre, und wenn ich auch zuweilen eine Un-zufriedenheit äussere, so hasse oder liebe ich deßhalbweder mehr noch weniger, vielmehr thu ich es öftersaus Liebe; auf den Ton kömmt es nicht an. Aber soseyd ihr allzumahl, ihr wißt keinen Unterschied zu ma-chen , und der sinnliche Eindruck bestimmt immerforteuer Urtheil, und zu eurer Rechtfertigung ist euch je-der Grund hinreichend; denn ich weiß schon, daß dusagen wirst, ich mäße vieles, was ich der Clotildc undihrem Mädchen zur Last lege, auf ihre Jugend, aufden weiblichen Charakter überhaupt und auf meinenkranken Gemüthszustand schreiben. Als ob ich das,was euch seit Eva Allen gemein ist, nicht zu unter-scheiden wüßte! — Als sie mir keine Ruhe ließ, bisich sie mitzunehmen versprach; als sie die Zeit der Ab-reise kaum erwarten mochte, und alle Tage wieder neueSiebensachen einpackte, und denn doch beym Abschiedso kläglich that, als müßte sie in ein Kloster wandern;