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2 (1828) Die Molkenkur / Ulrich Hegner
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barer und der Mensch gewöhnlicher. Die Leute ha-ben mehr zu thun mit Acker, und Weinbau und derausgedehnten Industrie, wovon St. Gallen der Mit-telpunkt ist; dieß macht sie geschmeidiger, ihr Lebenmannigfaltiger, und schleift die Ecken der Sonderbar-keit, welche der Müßiggang beym Appcnzcllcr erzeuget,ab, vermindert dann freylich auch das Selbstgefühl, dieGenügsamkeit und den leichten Sinn, der das Hirten-volk belebt. Das ist nun aber einmahl so, daß dieGaben des Himmels öfters negativer Art sind.

Unter den drey Städten, wo wir uns aufhielten,gefiel mir Roschach seiner reizenden Lage halber vor-züglich; denn hier kommen wirklich viele Naturschön-hcitcn zusammen; der See ist drey Meilen breit, undbildet da einen kleinen Hafen, der ziemlich lebhaft ist;das Gelände ist fruchtbar, mit Obstbäumcn und Wein-reben bedeckt, und sehr bevölkert; es herrscht daselbstviel Betriebsamkeit, und von einer Regierung merktman nichts, keine imponircndcn Kollegien, keine drük-kendcn Großen, keine Satelliten, nichts das der Lc,bcnslust, Geselligkeit und Freude an dem Eigenthumhinderlich ist. Hier auf einem der herumliegenden mitLandhäusern besetzten Hügeln könnte ich wohnen, wennich einen fremden Aufenthalt wählen müßte, wiewohles im Winter eben so kalt seyn muß als bey uns, undmir der Professor bewiesen hat, daß die Aussicht aufeinen See, so reizend sie. dem ungewohnten Auge ist,früher ermüdet als die aufs Land, weil das Wasser