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menschlicher Leidenschaften auch aufkeimt wie allent«halben.
Gute Bekanntschaften sind indessen schwerer zumachen, als man glaubt, unter dieser Unzahl vonLeuten, denen man nicht trauen darf, ehe man siekennt; hingegen kann man so leicht Vergnügen undGesellschaft ohne Bekanntschaft finden, daß der Fremdenur zu leicht den Vortheil des ordentlichen Umgang«vernachlässigen, und andern ohncdieß zu befriedigendenNeigungen folgen lernt, wozu hier so viele Thürenoffen stehen. Zch bin zwar auch der Meinung, daß,um glücklich zu seyn, man seinen Neigungen folgenmüsse, aber erst wenn man sie mit Klugheit geprüfthat, da aber die wenigsten sich hierzu Zeit nehmen,so beseufzt auch so mancher heimkehrende Corydon reu-müthig seine Thorheit.
Heute (28. May) war die Gemählde > Galleriewiedrum geschlossen, weil man immer etwa« darin zuverändern hat; ich ging also in die heilige Versamm-lung der Antiken, wo ich jetzt mit dem Verzeichniß inder Hand anfing, ein Bild nach dem andern zu be-trachten, und meine Beobachtungen flüchtig niederzu-schreiben, um solche zu Hause weiter auszuführen, oderwenigstens künftig eine Erinnerung meiner eignen An-sicht zu haben. Da ich selten das Glück habe, gleichvon dem ersten Anblick begeistert zu werden, sondern