204
Um nicht bett Verdacht auf mich zu laben, alshätte Ick das Schönste unbemerkt vorübergegangen,will ich auch des Bruchstücks von einem Cupido oderGenius, das in diesem Saale steht, gedenken, desreinsten menschlichen Gebildes, so ich je gesehen habe;ein Engelögestcht, dessen denkende stille Unschuld undfeine Lieblichkeit man nicht mit Worten beschreibenkann; das Zdeal eines Knaben, in dem eine göttlicheKraft schlummert, wovon er nur erst eine leise Ahn,düng hat. — Zdealisiren ist nicht schwer, die Neuernlernen es alle, meist ehe sie noch die Wirklichkeit be-griffen haben; aber so wie hier das Zdeal zu indivi,dualisiren, (wenn ich so sagen darf), in dem Zdealdie Grundzüge des Einzelwesens beyzubehalten, ausder Art die Gattung zu bilden, da« ist der von weni-gen erreichte Gipfel der Kunst.
Wenn ich schon schweigen wollte, so rede ich doch.Wer könnte auch schweigen, wenn er aus dieser Ge-sellschaft kömmt; den stummen Wänden möchte manseine Freude erzählen! Doch nur von einer Bildsäulenoch erlaube man mir, ehe ich scheide, ein Wort zusagen, dem sogenannten Zeno, der in dem Saale be-rühmter Männer steht. Andre mögen zwar mehr Ver-dienst haben, wie ich dann nicht läugnen will, daß dietrefflichen Bilder des Menander und PosidippuS, diemännliche Größe und freye ungezwungene Würde ohneUeberfiuß und Ziererey so richtig ausdrücken, zu denschönsten in diesem Saale gehören. Aber dieser Phi-