Blumen mit Wasser zu begießen. Manchmahl auch,wenn das Geräusch nicht zu groß ist, liest er ihr noch,ehe er seinen leichten Abschied nimmt, etwas vor, wo-bey ich sie zuweilen eine Thräne abwischen sehe, weilvermuthlich von einer ame pure et sensible die Redeist, ein Ausdruck dessen modischer Kraft keine auf Zart-gefühl anspruchmachende FranzLsin wiederstehen kann.— Nachher sehe ich sie nicht mehr; wenn aber derRest des Tages diesem Anfang entspricht, so ist in ei-nem solchen Leben freylich mehr Gemächlichkeit, alsin dem jener alten Weiber, und die schöne Dame würdeschwerlich mit ihnen tauschen wollen; aber gemächlicherMüßiggang macht daS Glück des Lebens auch nochnicht aus, ohne Ungemach lernt sie auch die wahreFreude nicht kennen; doch dafür wird ihr Schicksalschon sorgen. Es ist in unsre unerklärliche Bestim-mung ein Bedürfniß zum Leiden wie zur Lust verwebt,und was Ossian tbe joy os grief nennt, ist kein Un-ding noch leere Einbildung. Dieses Bedürfniß, ob esgleich nur dunkel wirkt, macht vieles klar, was wirsonst für unbegreiflich halten; so entstehen aus dem-selben zuweilen die Vapeurs bey jenen zärtlichen Da-men, und die sonderbare Hingebung, womit sie sichoft unnithigen und unangenehmen medicinischen Be-handlungen unterziehen, die ihren Grund, weniger nochin der Mode und in der Sucht Theilnahme zu be,wirken, als in der unentwickelten Empfindung hat,daß ohne Leiden in der Freude, ohne Arbeit in der
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