220
Ruhe kein Genuß sey. Sie machen sich krank au«Znstinct (das Wort im guten Sinne genommen), umden Vortheilen der Gesundheit mehr Reiz zu geben,so wie man hungern muß, um die Wollust des Essensrecht zu schmecken. So wie ich hingegen für jenenschmutzigen Zungen, und jene alten Weiber, die eckelrhafte Knochen verkaufen, und die, welche solche essenmüssen, keinen natürlichen Ersatz ihre« elenden ZurstandeS mir denken kann — denn Gewohnheit ist keinErsatz — als da« gewaltigere Gefühl der guten Stun-den, das ich so oft bey der Armuth wahrnehme. Wasgeht schon über die beneidenswerthe Behaglichkeit, mitwelcher ein Tageiihner ausruht! — Migen ihnendieser guten Stunden manche zu Theil werden, undniemand sie pharisäisch verdammen, wenn sie etwa die-selben, ihrem stärkern Naturtriebe gemäß, nicht mitder Oekonomie benutzen, welche die satte Cvnvenienzder Reichen zu beobachten vorgibt!
Da ich sie nicht glücklich machen kann, so möchteich mir sie doch gern in einen leidlichen Zustand hineinglauben, und dafür finde ich keinen zureichendernGrund, als in dem auffallenden Gleichgewicht, daszwischen Freud und Leid in allen menschlichen Ver-hältnissen herrscht, und sich so unparteyisch an keinenStand und keine Glücksumstände bindet; gleichsam einhöherer Wink, den, wer auf sich selbst Achtung gibt,am besten aus eigner Erfahrung kennen lernt, undde» man einstweilen als eine der kräftigsten Rechtfer,