Buch 
Mahlerische Reise in die italienische Schweiz / mit geäzten Blättern von J. H. Meyer
Entstehung
Seite
43
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Wir traten in eine Küche, wovon der Gasthof zu Magadin schon ein flüchtiges Bild ent-hält , um dort zu frühstüken. Einige Kerls fassen da, deren Anblik unser inneres Gefühl empörte.Misstrauen und Schlauheit lass auf ihren Gesichtern, und ihre garstige Kleidung enthielt in lesbarenLettern die Lebensgeschichte dieser Menschen. Wir Freunde hielten uns mit Biancone feinhübsch in einer Gruppe beysammen. Während des Genusses unsers Frühst'üks trat ein bereitsbejahrter Kerl hinein, und durchlief mit verrätherfchem Blike die ganze Stanza; ihm folgte einSbirre. Nachdem ihre Augen eine Weile auf uns geruhet hatten, gierigen beyde hinaus. Wirspielen unser Frühstük rein auf, und bezahlten die Zeche. Unter der Thüre empfieng uns derSbirre, und ersuchte uns, ihm ins Bureau des Mauthbedienten zu folgen. Eben gierig der alteVerräther mit grinsendem Lächeln hinaus, als wir das Bureau betraten. Hier lass ein Mannbeym Pulte, der mit der Ellboge sich stattlich auf dasselbe lehnte. Er gab sich ein inquisitorischesAnsehn, als er uns frug, ob wir keine Contrebande mitführten? Wir antworteten, dass das,was dem Reisenden zu nothwendigem Gebrauch diene, keine Contrebande seyn könne!Wollenlehri, antwortete er, durchnaschte unsre Taschen, und da er bey jedem einen Tabakbeutel fand,rief er mit einem Ausdruk, als ob er Peru erobert hätte:Die Wage her! Dann berechneteer, kalkulirte, strich durch, und schrieb von Neuem. Die Straftaxe betrug nicht weniger, als8 Z. Lires , die Lire zu 20. Solds; dabey schlug uns der sultanische Putsche drey Dinge vor:Baare Bezahlung, Arrest, oder Kaution. Die zween erstem Vorschläge wollten uns nicht