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Mahlerische Reise in die italienische Schweiz / mit geäzten Blättern von J. H. Meyer
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vernachlässige in der Bildung des Geistes und Herzens, gedrükt durch die eiserne Hand ihresSchiksals, herabsinkeu zu Wesen, an denen der Mensch kaum mehr zu kennen ist? GlüklichesLand, dachten wir, wo diese Uebel nicht sind; wo freundliche Näherung der VolksklassenIndustrie, Arbeitsamkeit und jede gesellige Tugend hervorbringt!

Im Gasthofe tischte uns eine schnippische Wirthin ein erträgliches Mittagessen aus, wofür sieeine derbe Zeche federte. Das verursachte eine komische Scene. ' In den meisten Gasthäusern imMayländiscben wird schnell nach Bezahlung der Zeche den Speisenden alles von der Tafelweggenommen. Eben da die flinke Italiänerin , als wir kaum zur Hälfte fertig waren, weg-räumen wollte, rief einer unsrer Schifileute zum andern: M Pak ein! Und damit griffen beydemit ausgebreiteten Fingern nach Kirschen, Braten, Käse, Fischen; pakten alles, wies kam, indie Tasche, soffen die Pokale rein aus, und liessen mit Gelächter davon, im Angeflehte derSignora, die ihnen alle Schimpfnamen nachrief, welche die italiänische Sprache enthalten mag.

Im weitem Fort schiffen auf dem See von Conto rükten wir nun wieder näher dem helveti-schen Vaterland. Die Festung Fuentes und der Fleken alla Cera sind die Gränzorte desCo r,i e r - Gebiets. Am leztern Orte sind, die Schiffleute gehalten, den Mauthbedienten das Schiffvifitiren zu lassen. Nicht weit davon fleug das Wasser an mit kräftigem Zuge uns entgegen zuarbeiten. Hier ist der Ausfluß» der Adda und zugleich die Verbindung des Corner-See s mitdem kleinen See von Chiavenna, Mit vereinter Kraft sträubten wir dem Zuge des Wassers

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