XII
wichtigen Raseneisens wohl üherall dem Leben überwiesen. 7) Die Behandlung lebender und lebend eingetrock-neter Polythalamien mit sehr verdünnter Salzsäure hat schon 1839 den weichen Körper derselben in seinenEinzelheiten aufgeschlossen, und eine schärfere Systematik möglich gemacht, aber 1854 hat diese Methodedarüber entschieden, dass Leben in 12000 Fuss Meerestiefe anzunehmen ist. 8) Das Experiment des Ver-glasens von Kieselerden der Polygastern und des Glühens derselben in hohen Hitzegraden hat 1836 und1842 den Schlüssel für die Möglichkeit gegeben, dass in vulkanischen Auswurfsstoffen, auch Bimsteinen,kieselschalige Polygastern erkennbar bleiben. 9) Die Anwendung des farbig polarisirten Lichtes im Mikroskop,welches bisher nur zu physikalischen Erläuterungen dienlich erschien, ist seit 1848 eins der einfluss-reichsten Mittel zur mikroskopischen Analyse geworden, und hat namentlich den Passatstaub und Grünsand
erläutert.
Ausser diesen entwickelnden Beobachtung^-Methoden ist für den Zweck, die Abhängigkeit im Urtheilzu beschränken und wissenschaftliche Sicherheit zu erlangen, noch besonders die Methode der Anlegungeiner Object-Sammlung wesentlich hülfreich geworden. Während die mikroskopischen Object-Sammlungenmeist ein Spielwerk zum geselligen Vergnügen sind und durch ihre Kostbarkeit sowohl als ihren zu geringenWechsel die Besitzer in der Einsamkeit ermüden, galt es eine Methode zu finden, welche auf eine denKräften eines Privatmannes angemessene Weise den wissenschaftlichen Forderungen genüge, eine Methodewelche erlaubte, Hunderttausende von zarten Präparaten aus allen Erdverhältnissen in engem Raume zufortwährender Vergleichung und wiederholter Prüfung unverändert zu erhallen. Nach freilich oft abgeän-derten Formen ist es mir gelungen auf doppeltem Wege diesen Zweck, wie 1835 für die weichen Bildungen,so seit 1838 auch für die erd- und steinbildenden Formen zu erreichen. In Folge dieser Einrichtung wares niemals nötliig, bei meinen Vorträgen die Zustimmung irgend eines Anwesenden zu gewinnen zu suchen,sondern es wurden für die Mittheilungen gewöhnlich die Beweise durchgeführt und nicht bloss Zeichnungen,sondern die Gegenstände selbst in allem Detail vorgelegt, so etwa, wie man neue Pflanzen und Wirbelthiereund ihre Verhältnisse durch Vorlegen der Objecte für immer begründet. Die Methode seihst ist durchEinfachheit nützlich, aber mannichfach gegliedert und würde hier zur Erläuterung zu viel Raum verlangen.Im Allgemeinen besteht sie aus buchförmigen Kästchen, deren jedes 10 (je 5) wieder buchartige doppeltePappschieber enthält. Auf der Innenseite jedes dieser aufzuschlagenden Pappschieber sind je 4, also 8 steifePappenstreifen verschiebbar befestigt, auf deren jedem 10 runde Blättchen von Glimmer auf 2 getrenntenGlimmerstreifen auch verschiebbar eingeschoben sind, so dass immer 5 Blättchen mit der Pincette imZusammenhänge weggenommen, auf ein Glastäfelchen gelegt, unter das Mikroskop gebracht und von beidenSeilen betrachtet werden können. Die Gliederung dieser Tlieile erlaubt eine sehr freie systematischeAnordnung derselben und beliebige Veränderung. Da in jedem Buche 10 Schieber, und in jedem Schieber80 Glimmerblättchen als gesonderte Objeclträger sind, so enthält jedes gefüllte Buch 800 Objcctträger.Auf jedem Objectträger sind häufig weit über 100, ja 1000 Objecte, deren besonders merkwürdige sichdurch kleine Ringe in ihrer Oertlichkeit bezeichnen und so leicht wiedertinden und vergleichen lassen, wennihre Namen auf dein unterliegenden Papierstreifen bemerkt sind. Ich besitze jetzt 34 solcher Bücher.Ausserdem enthält ein ähnliches Buch Pappschieber, auf denen Glastäfelchen eingeschoben werden können.Diese Glastäfelehen enthalten durch Canadabalsam befestigte, daher überall durchsichtige, geschliffeneSleintäfelchen aus allen Perioden der Erdbildung. In einem solchen Buche habe ich 500 dergleichenTäfelchen, deren Einschlüsse ebenso wie bei den Glimmertäfclchen bezeichnet werden. Meine zu denUntersuchungen nöthig gewordene Sammlung beträgt über 1000 geschliffene Steine. Hierdurch ist denn
aber möglich geworden, für alle auf den41 Tafeln durch Zeichnung dargestellten, und auch für alle im Textgenannten durch Kreuze bezeichneten Formen die Originale zur Vergleichung aus allen Theilen und Alternder Erde beisammen zu haben. Die zoologischen öffentlichen Sammlungen der grossem Tliiere stehenüberall an Zahl und Auswahl der vergleichbaren Exemplare natürlich weit hinter diesem wissenschaftlichenMaterial für das kleine Leben zurück. So sind denn alle hier genannten Namen und gegebenen Abbildungennicht gutmüthig aulzunehmende Privatvorstellungen, sondern es sind wissenschaftlich scharf zu erweisendeund zu belegende Thatsachen der Natur, die man anders ordnen, aber nicht in Zweifel stellen kann.
Einige der Resultate dieses Studienganges sind wesentlich ordnend und konnten schon derAusführung dieser Uebersichl zum Grunde gelegt werden. So scheidet sich alles unsichtbar kleine Lehen