Buch 
2 (1832) Zur Erkenntniss der Organisation in der Richtung des kleinsten Raumes / von C. G. Ehrenberg
Entstehung
Seite
37
JPEG-Download
 

über die Entwickelung und Lebensdauer der Injusionslhiere. 37

beiden Seiten der Schaale vorn hervorgeschoben ist und wirbelt, währenddie in der Mitte vorn sichtbaren drei Lappen zwar gewimpert, aber bewe-gungslos sind. Diese drei mittleren Lappen, welche nicht eigentliche Wim-pern, sondern Griffel führen, die man wohl für Tastorgane zu halten hat,sind Theile der Stirn und existiren auch bei der polytrochischen GattungSjnchaeta. Man könnte sie Kämme ( peclines ) nennen.

Dafs bei den Magenthierchen die Räderorgane nicht ganz fehlen,nur weniger isolirt hervortreten, habe ich schon erwähnt. Wenn bei denGattungen Leucophrjs , Amphileptus } Stenlor } Coleps p Eudorina } Goniurn }Volvox es deutlich ist, dafs die ganze Körperfläche die Function des beson-deren Räderorgans versieht, so sind doch bei den Vorticellinen undOphrydinen besondere Wirbel- oder Räderorgane nicht zu verkennen undnur ihr geringes Hervortreten aus der Körpermasse und die Feinheit der Wim-pern machen, dafs sie weniger in die Augen fallen. Eine auffallende Eigen-thümlichkeit zeigt die Mundstelle bei Stentor } an der sich das Wirbelorganspiralförmig in einen Trichter versenkt.

Ich schliefse die Betrachtung dieser Organe mit einem Blick auf ihreFunction im Organismus, über die man bisher im Zweifel und Irrthum war.Es läfst sich leicht beobachten, dafs ihre Thätigkeit zunächst eine doppelteWirkung hat:

1) befördern sie die Ernährung durch Anziehen und Zuführen nähren-der Stoffe beim Wirbeln im Wasser;

2) dienen, sie ganz deutlich zur Ortsveränderung, namentlich zumSchwimmen. Vorticella } Roiifer } Philodina können nicht andersschwimmen, als wenn sie ihre Räderorgane entwickelt haben, ohnediefs können die letzteren nur kriechen, wie Egel .

Zum Rudern allein scheinen sie nirgends zu dienen, denn ihre Wir-belbewegung führt immer die entstehende Strömung gegen die Mundöffnungund oft erleichtert man sich das Aufsuchen der Mundöffnung dadurch sehr,dafs man durch Farbestoff den Wirbel und seine Strömung sichtbarer machtund den Lauf der Strömung am Körper verfolgt. Ob dieselben Organe nochüberdiefs das Geschäft von Respirationsorganen versehen, wie sie bei Thie-ren mit mehr entwickeltem Gefäfssystem sich sehr bemerklich machen, läfstsich nicht entscheiden. Herr Cuvier hat bei Vermuthung dieser Functionwahrscheinlich die ähnlichen Wimperbewegungen an den Kiemen athmender

I